Erstellt am 30. August 2016, 07:41

von Walter Fahrnberger

„Gibt keinen Grund zur Panik“. Neues Gesetz kommt auch in Österreich.„Angstmache“ aus Deutschland übergeschwappt.

Um für Katastrophenfälle wie beim Jahrhunderthochwasser 2013 gerüstet zu sein, empfiehlt der Präsident des Österreichischen Zivilschutzverbandes Johann Rädler, vorbeugend ein Notfallspaket zuzulegen.  |  NOEN, NÖN-Archiv/Plutsch

Es gab keine Terrorwarnung. Niederösterreich wurde nicht vom Hochwasser heimgesucht und in keinem Nachbarland ist eine nukleare Katastrophe ausgebrochen. Dennoch sind in der Vorwoche beim Zivilschutzverband die Telefone heißgelaufen. Zig Anfragen kamen per Mail.

Was war passiert? Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziére hat im Rahmen eines neuen aktuelleren Katastrophenschutz-Konzeptes das Anlegen von Vorräten an Lebensmitteln empfohlen. Die Bundesregierung wolle die Menschen in Deutschland damit umfassend vor Terrorattacken, Cyberangriffen und dem Ausfall lebenswichtiger Infrastruktur schützen. Nachdem de Maiziére einen groß angelegten Angriff auf die Strom- oder Wasserversorgung in Deutschland als reale Gefahr sah, kam es zu Hamsterkäufen. Gleichzeitig ist eine heftige Debatte um diese Panikmache entbrannt, die auch nach Österreich übergeschwappt ist.

Präsident des Österreichischen Zivilschutzverbandes Johann Rädler  |  NOEN, Parlamentsdirektion/WILKE

„Die Bedrohungsszenarien haben sich verändert. Es gibt aber keinen Grund zur Panik“, beruhigt Johann Rädler, Präsident des Österreichischen Zivilschutzverbandes und Bürgermeister in Bad Erlach. „Zivilschützer haben einen schwierigen Spagat zu meistern – Sensibilisierung ohne Angstmache“, meint er. In Österreich gäbe es vom Zivilschutzverband schon immer die Empfehlung, dass jeder Haushalt eine Woche ohne Einkauf und Strom auskommen sollte (siehe Infobox).

Mehr Geld für den Zivilschutzverband

Aber auch in Österreich hat Innenminister Wolfgang Sobotka auf neue Bedrohungsszenarien reagiert. „Einerseits wurde das Budget für den Zivilschutzverband aufgestockt, um die Bürger-Information zu verstärken. Andererseits beginnt mit Herbst auch die Neuorganisation des österreichischen Katas-trophenschutzes“, weiß Rädler.

Die unterschiedlichen Landesgesetze sollen auf ein Niveau gebracht werden. Derzeit hat nämlich noch jedes Bundesland eine andere Definition dafür, was eine Katastrophe ist. Deshalb wird ein komplettes Gesetzespaket ausgearbeitet. „Dabei geht es nicht um Panikmache, sondern um eine weitgehende Vorbeugung, damit erst gar nichts passiert – und eine optimale Vorbereitung, sollte etwas passieren“, meint der Zivilschutzpräsident.

Notfallspaket

Insgesamt sollte man eine Woche ohne Einkauf und Strom auskommen können. Der Zivilschutzverband empfiehlt folgenden Vorrat pro Person und Tag einzulagern:

  • 1,5 l Trinkwasser
  • 2,5 l Wasser für Hygiene (rechtzeitig Badewanne füllen)
  • 2.500 Kalorien (Mehl, Zucker, Konserven vitaminreiche Nahrung)
  • Eine stromunabhängige Kochgelegenheit (auch Gartengriller)
  • Informationsquelle (Kurbelradio, Autoradio)
  • Licht (Taschenlampe, Kerzen)
  • Eine gut gefüllte Hausapotheke und ein Verbandskasten
  • Dokumentenmappe/Bargeld griffbereit (ohne Strom kein Bankomat)
  • Verbandskasten griffbereit