Erstellt am 20. Oktober 2015, 04:22

von Jutta Hahslinger

„Zuagroaste Weiber habn da nix verlorn“. 70-Jähriger leugnet, Waldbesitzerin von ihrem eigenen Weg vertrieben zu haben. Sein Pech: Das Handy des Opfers zeichnete auf.

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„Wegerecht hin, Wegerecht her. Da sind wir immer g’fahren und da werden wir auch immer fahren. Da gibt’s keinen anderen Weg zu meinem Hirschgatter, basta“, stellt der rüstige 70-Jährige aus dem Bezirk Krems lautstark vor Gericht klar.

„Die Frage eines bestehenden Wegerechts ist in meinem Verfahren nicht wichtig. Hier geht es darum, ob Sie eine Frau durch eine gefährliche Drohung zum Verlassen des Weges genötigt haben?“, findet die Strafrichterin ebenso klare Worte.

Der Beschuldigte räumt zwar ein, dass das eine oder andere rüde Wort gefallen sein kann, er will die Frau, die Waldbesitzerin, aber nicht mit dem Wagen bedroht haben. Er habe lediglich die Scheibtruhe und herumliegende morsche Holzstämme zur Seite geräumt und sei dann wieder ins Auto gestiegen.

Mit dem Auto auf Opfer zugefahren

„Ich konnte gar nicht so schnell reagieren, da hat er die Scheibtruhe mit dem gesammelten Holz schon die Böschung runtergetreten“, schildert hingegen das 43-jährige Opfer und berichtet von häufigen Wortgefechten wegen des privaten Waldweges. „Das ist doch mein Grund, warum soll ich dann verschwinden“, meint die 43-Jährige, die sich nicht an die Aufforderung „Zuagroaste Weiber haben da nix verlorn“ des Pensionisten halten wollte. Wütend sei er dann auf sie zugefahren: „So knapp, dass das Auto meine Hose berührte. Ich bekam es mit der Angst zu tun und bin davon“, schildert das Opfer.

„Alles nicht wahr. Das hat sie absichtlich inszeniert, um mich schlecht darstellen zu können“, kontert der Waldviertler und sieht sich selbst in der Opferrolle. Das gezeichnete Opferbild zerbröselt, als die Strafrichterin eine Handy-Aufzeichnung der 43-Jährigen vom Streitgespräch mit dem tobenden Rentner zu hören bekommt.
Der 70-Jährige wird der Nötigung für schuldig befunden und zu drei Monaten bedingt verurteilt (nicht rechtskräftig).

Einziger Trost für den 70-Jährigen: „Sie ist weg, sie hat den Wald angeblich verkauft.“

Zitiert

„Nach drei Jahren Sekkieren hab’ ich mich das erste Mal was zu sagen getraut. Das war Adrenalin pur“,
sagt das Opfer über den Moment der Gegenwehr im Wald.

„Ich sammelte Holz. Er kam hupend angefahren, schimpfte mich Trampel und fragte, ob ich einen Vogel hätte, den Weg mit morschem Holz zu verbarrikadieren. Als ich nicht gleich reagierte, hat er die Scheibtruhe über die Böschung getreten“, schildert das Opfer die uncharmante Begrüßung des Waldviertlers.

„Alles erlogen und falsch. Sie hat mir mit Absicht aufgelauert. Sie will mich reintheatern, um mich loszuwerden. Des war alles inszeniert“, ergeht sich Beschuldigter in wüsten Vermutungen.

„Ich hab’ den Bürgermeister ang’rufen und ihn g’fragt, was ich machen soll, wenn der Weg wieder mit Klumpert zubetoniert ist. ,Dann räumst es wieder weg‘, hat er g’meint“, beteuert der Waldviertler, doch Rat gesucht zu haben.