Erstellt am 23. September 2016, 18:11

von APA Red

Zwischenfall im Bahn-Tunnel: Alle Passagiere evakuiert. Nach dem Zwischenfall im Stierschweiffeldtunnel auf der Westbahn-Neubaustrecke zwischen St. Pölten und Wien sind am Freitagnachmittag alle Passagiere aus einem ICE evakuiert worden.

Einsatzkräfte bei einem Tunnel-Notausstieg im Rahmen der Evakuierung von etwa 300 Passagieren des ICE, der am Freitag (23.9.2016) in einem Tunnel im Tullnerfeld stecken geblieben war. Foto: APA/BFKDO/St. Pölten  |  APA/BFKDO/St. Pölten

Es habe sich um 287 Menschen gehandelt, sagte ÖBB-Sprecher Christopher Seif zur APA. Die Aktion habe etwa 45 Minuten gedauert, fügte Feuerwehrsprecher Franz Resperger hinzu.

Die Evakuierung sei über den Notausstieg 4 des Tunnels erfolgt und sehr diszipliniert abgelaufen. Es habe keine Panik und keine Verletzten gegeben, teilte Resperger mit. Die Passagiere hätten allen Anordnungen der Einsatzkräfte Folge geleistet und seien über etwa 300 Stufen ins Freie gelangt. Sechs Feuerwehren waren mit 70 Mann ausgerückt.

Die Aktion war nach ÖBB-Angaben kurz nach 16.00 Uhr abgeschlossen. Die Fahrgäste des ICE wurden in der Folge mit Autobussen nach St. Pölten gebracht und vorn dort auf der Schiene weiterbefördert, teilte Seif mit.

ICE-Bergung mit Hilfszug, Freigabe am Abend?

Die Bergung des ICE sollte mit einem Hilfszug erfolgen, sagte ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Die Garnitur werde dann nach St. Pölten gebracht. Eine Freigabe der Westbahn-Neubaustrecke für den Verkehr noch in den Abendstunden des Freitags schien nicht ausgeschlossen.

Seif begründete dies damit, dass der ICE, der eine verlorene Tür eines anderen Zuges überfahren hatte, nicht entgleist sei. Daher bestünde die Hoffnung, dass die Infrastruktur keinen Schaden genommen habe. Diesbezügliche Überprüfungen standen vor einer Freigabe der Strecke freilich noch an.

NÖN.at hatte am frühen Nachmittag berichtet:

Tür überfahren: Westbahnstrecke blockiert

Die Westbahnstrecke im Abschnitt Wien - St. Pölten ist am Freitagnachmittag blockiert gewesen.

Ein ICE mit 300 Passagieren an Bord hatte in einem Tunnel nahe des Bahnhofs Tullnerfeld eine von einem anderen Zug verlorene Tür überfahren und war steckengeblieben, teilte ÖBB-Sprecher Christopher Seif mit.

Die Fahrgäste mussten mit Unterstützung der Feuerwehr evakuiert werden. Verletzt wurde niemand.

Etwa 300 Passagiere befanden sich im Zug

Seif zufolge hatte ein russischer Zug auf dem Weg von Moskau nach Nizza im 3,3 Kilometer langen Stierschweiffeldtunnel nahe der Ortschaft Rassing, Teil der Tunnelkette Perschling auf der Westbahn-Neubaustrecke, eine Tür verloren. Der nachfolgende ICE 90 (Wien - Hamburg) überfuhr das Hindernis, das sich im Drehgestell verfangen haben dürfte, und wurde gestoppt.

Für die etwa 300 Fahrgäste an Bord begann ein Feuerwehreinsatz. Vor der Evakuierung, die nicht über die Portale, sondern über die Notausstiege 4 und 5 des Stierschweiffeldtunnels erfolgen sollte, musste der Strom abgeschaltet werden, teilte Franz Resperger vom Landeskommando NÖ mit. Die Passagiere sollten in der Folge mit Autobussen nach St. Pölten gebracht werden, sagte Seif.

ÖBB gingen von stundenlanger Tunnel-Sperre aus

Züge, die zum Zeitpunkt des Zwischenfalls gegen 13.15 Uhr unterwegs waren, wurden dem ÖBB-Sprecher zufolge über Herzogenburg in die NÖ Landeshauptstadt umgeleitet. Weitere Garnituren mussten während der Unterbrechung über die Altbaustrecke und somit über Rekawinkel und Neulengbach fahren.

Die ÖBB gingen von einer stundenlangen Sperre des Tunnels und damit der Hochleistungsstrecke aus. Eine genaue Dauer war Seif zufolge vorerst nicht abzuschätzen.

Zuerst müsse nach der Evakuierung der Fahrgäste der ICE weggebracht werden, sagte der Sprecher. Danach müsse überprüft werden, ob Schaden an der Infrastruktur (Schienen, Oberbau, Tunnel selbst) entstanden sei.

Am Ort des Zwischenfalls standen vorerst sechs Feuerwehren im Einsatz, sagte Resperger. Er ging jedoch davon aus, dass sich die Zahl noch erhöhen werde.