Erstellt am 19. Juli 2017, 05:36

von NÖN Redaktion

Waren die Römer ihrer Zeit voraus?. Franz Humer ist Landes archäologe für Römische Archäologie in Niederösterreich und wissenschaftlicher Leiter des Archäologischen Parks Carnuntum.

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Das war abhängig von der finanziellen Lage. Wer es sich leisten konnte, hatte etwa die Möglichkeit, die zahlreichen hygienischen Errungenschaften der Römer zu genießen: Kalt- und Warmbadebecken, Massagen, Rasuren oder Fließwasserentsorgung der öffentlichen Toiletten. In dieser dichten Gesamtheit gab es das vorher in keiner der bekannten Hochkulturen und auch im Mittelalter und der beginnenden Neuzeit nicht!

Diese „Wellness-Errungenschaft“ wurde bei den Römern sehr gepflegt, wie sich etwa auch in Carnuntum zeigt, wo es mehrere Anlagen dieser Art gab. Eine Therme wurde auf wissenschaftlicher Basis rekonstruiert und ist nun voll funktionstüchtig: Die Wärme ist spür- und fühlbar.

Aber nicht nur in diesem Bereich waren die Römer (so sie es sich leisten konnten) ihrer Zeit voraus. So ist die Rechtsprechung der römischen Welt heute nach wie vor integraler Bestandteil der europäischen Jurisdiktion und nach wie vor Grundlage unseres Rechtssystems. Ein weiteres „Vorzeigeprojekt“ war auch die römische Militärstruktur mit sehr streng durchorganisierten Truppen, die es schafften, die zahlreichen Gegner (Kelten, Germanen, Parther, Numidier …) über fast ein Jahrtausend zu besiegen.

Alleine anhand dieser wenigen Fallbeispiele kann man behaupten: Ja, die Römer waren ihrer Zeit voraus, haben sich dann aber teilweise durch Eigenfehler um die Früchte ihrer Anstrengungen gebracht.