Erstellt am 19. April 2017, 02:13

von Verena Randolf

Joesi Prokopetz: „Ich fühle mich nicht wie 65“.

Lange lebte Kabarettist Joesi Prokopetz in Purkersdorf, dann verkaufte er sein Haus („Beziehungsruine“) und zog nach Brunn am Gebirge. Mittlerweile fühlt sich der gebürtige Wiener als Niederösterreicher – „vielleicht nicht als wasch-echter, aber zumindest als gut integrierter“.   |  Gary Milano

Als er im zarten Alter von 18 Jahren in der Wiener Semmelweis-Klinik Spachtelmasse in ausgedehnten Achter-Bewegungen an die Wand klatschte, fielen ihm jene Zeilen ein, die sein Leben verändern sollten: „Schau da liegt a Leich im Keller, s’Bluat rinnt in’ Kanal“.

Am Abend desselben Tages zeigte er den Text, den er „hingefetzt hatte in 45 Minuten“, wie er erzählt, seinem besten Freund Wolfgang Ambros, der später mit „Da Hofer“ seinen ersten großen Hit landete.

Mittlerweile ist Joesi Prokopetz 65 und in Pension. Rückblickend sagt er, „Da Hofer“ sei Glück gewesen, Grundstein für eine beeindruckende Karriere, die er – trotz Pension – nicht an den Nagel hängen will: „Ich bin jetzt in der Situation, unangenehme Jobs ablehnen zu können“, meint er und fügt scherzend hinzu: „Von meiner Pension alleine könnte ich aber kein menschenwürdiges Leben führen, deswegen arbeite ich noch.“ Er lacht.

"Mit Ihnen habe ich meine Jugend verbracht!"

Aktuell ist Prokopetz viel beschäftigt: Er ist Intendant des Kleinkunstfestivals Ybbsiade, das noch bis 29. April läuft,
vor einem Monat feierte er mit seinem neuen Solo-Kabarett „Vollpension“ Premiere und im Sommer spielt er gleich drei verschiedene Rollen in „Lumpazi Vagabundus“ im Rahmen der Festspiele Stockerau.

„Über meine Auftragslage kann ich mich aktuell nicht beschweren“, meint der Künstler, „trotzdem habe ich noch immer Angst, dass das alles ganz schnell vorbei sein könnte. Mittlerweile ist das aber weniger eine Existenzangst, sondern eher die Sorge, dass die eigene Eitelkeit nicht befriedigt wird.“ Solange die Leute aber klatschen und jubeln, wie sie es bei seinen Auftritten nach wie vor tun, sei er beruhigt. Solange denke er auch nicht daran, tatsächlich aufzuhören.

Wenn seine Fans nach dem Programm zu ihm kommen, ihn beglückwünschen und Dinge sagen wie: „Mit Ihnen habe ich meine Jugend verbracht!“, dann wird Prokopetz allerdings nachdenklich. „Die meisten meiner Zuschauer sind ja selber nicht mehr ganz jung, ich denk mir dann immer: Wie geht sich das aus?!“ Liegt daran, dass er sich nicht fühlt wie 65. Sondern jünger. „Obwohl sich der körperliche Verfall nicht leugnen lässt.“ Zu sehen ist Joesi Prokopetz unter anderem ab 27. Juni bei den Festspielen in Stockerau.