Erstellt am 04. April 2017, 02:54

von Verena Randolf

Johann „Zappa“ Cermak hat den Blues.

Mit seiner Band Bluespumpm trat Zappa gemeinsam mit den internationalen Größen ZZ Top, Black Sabbath und Uriah Heep auf. Er ist einer der wichtigsten Musiker des Landes.  |  Lipkovich

Vor 50 Jahren saß eine Gruppe Langhaariger irgendwo im Waldviertel mit ausgeborgten Instrumenten. In einem alten Bauernhof. Das kleinste Zimmer des Hauses hatten die jungen Männer zum Proberaum umgebaut, obwohl sie eigentlich mehr Platz gebraucht hätten, aber die Burschen mussten Prioritäten setzen: „Den großen Raum haben wir für Partys gebraucht“, lacht Bluespumpm-Sänger Johann Cermak, überall bekannt als Zappa.

„Die Kinks haben auch im Hinterhof angefangen“, dachten sich die damals 17-Jährigen und begannen, Musik zu machen. Dabei wollte Zappa ursprünglich Förster werden: „Das war schon als Kind mein Wunsch“, sagt der mittlerweile 68-Jährige. Was ihm dann einen Strich durch die Rechnung machte? Seine Haare. „Ich ging damals zwar ab und zu zum Friseur und hatte zwischenzeitlich sogar die Ohren frei, aber ich hatte ständig Probleme wegen meiner Haare. Das ging mir irgendwann auf die Nerven und ich habe aufgehört.“

"Viele kleine Veranstalter können sich das nicht mehr leisten"

Zappa, der – wegen seiner Ähnlichkeit zum großen US-Musiker Frank Zappa auf einem BRAVO-Cover – damals schon so hieß, ging nach Wien und wurde Lagerleiterstellvertreter. Bis ihm das Musizieren bis sechs Uhr früh mit anschließendem Dienstbeginn im Lager um sieben zu viel wurde. Er legte es auf seine Kündigung an und investierte die Abfertigung in seine Musikkarriere.

Die Bluespumpm gab es dann schon, als Zappa mit fünf Freunden zurück ins Waldviertel nach Edlau zog, um als Selbstversorger zu leben. Hippies in einer Kommune, klassisch, wie man es sich vorstellt. „Die Bauern, die damals in unserer Nachbarschaft wohnten, waren anfangs natürlich skeptisch“, erinnert sich der Musiker, „da gab es Gerüchte, wir würden nackt um den Brunnen tanzen und so“, lacht er. „Als die merkten, dass wir eh ordentlich arbeiteten – wir hatten ja Äcker zu bestellen und jede Menge Tiere, – legte sich das aber.“

Trotzdem löste sich die Kommune Anfang der 90er auf, Zappa lebt aber nach wie vor im Waldviertel: In einem renovierten Hof, gemeinsam mit seiner Ehefrau.

Mit den Bluespumpm tritt er nur selten auf. „Die haben einfach ihren Preis und die Szene hat sich mittlerweile geändert. Es gibt viel mehr kleine Veranstalter, die sich das nicht leisten können.“ Nächste Gelegenheit, die Band in Niederösterreich zu sehen: am 21. Mai in Unterretzbach.