Erstellt am 23. Mai 2017, 02:54

von David Aichinger

Matthias Steiner: Zurück in der Weinviertler Heimat.

Olympiasieger Matthias Steiner nennt seit Jahresbeginn wieder Obersulz sein Zuhause. Der ehemalige Gewichtheber ist mittlerweile Autor und Sänger. Am Samstag gab er in seiner Heimatgemeinde Autogramme.  |  Köck

Am 19. August 2008 wurde Matthias Steiner zum stärksten Mann der Welt. Der Gewichtheber aus Obersulz (Bezirk Gänserndorf) gewann bei den Olympischen Spielen in Peking Gold im Superschwergewicht. In Erinnerung blieben vor allem die Emotionen des Sportlers, der nach einem Streit mit dem österreichischen Verband die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte und für Schwarz-Rot-Gold gestartet war. Steiner feierte mit einem Bild seiner tödlich verunglückten Ehefrau – das ging um die Welt.

Knapp neun Jahre später denkt der 34-Jährige nur noch manchmal an diesen Tag zurück: „Man wird ja immer mal wieder damit konfrontiert. Es ist ein Teil meines Lebens, aber es ist auch nicht so, dass ich den ganzen Tag zuhause sitze und nachdenke, wie toll das war.“

"Wir haben einiges ausprobiert"

Kann er gar nicht. Zu selten ist Zeit, zu fordernd die neue Karriere. Vom Matthias Steiner des Jahres 2008 ist nicht mehr ganz so viel über. 45 von den damaligen 150 Kilo hat er abgenommen, die Sportkarriere ist beendet. 2015 und 2017 brachte er zwei Bücher auf den Markt, im April dieses Jahres eine CD. Dazu war Steiner Gast in diversen Fernsehshows. Geplant sei das alles nicht gewesen, es hätte sich einfach so ergeben.

Worauf der Fokus für die nächsten Monate liegt, kann der Weinviertler klar beantworten: „Das Singen nimmt 80 Prozent meiner Zeit in Anspruch. Es macht einen Riesenspaß, verlangt aber auch viel von mir. Es soll ja in Richtung zweites Album gehen, und irgendwann einmal live.“ Warum auf Deutsch? „Wir haben einiges ausprobiert. Da habe ich mich am wohlsten gefühlt.“

Apropos wohlfühlen: Seit Jahresbeginn ist die vierköpfige Familie wieder „zuhause“, der Lebensmittelpunkt Obersulz. „Es ist wichtig, dass man die Oma nicht nur zweimal im Jahr sieht. Und das Weinviertel ist eine sehr, sehr angenehme Umgebung, mit sehr bodenständigen Menschen. Das find’ ich einfach klasse.“ Auch als Ausgleich zum stressigen Beruf, für den Steiner regelmäßig nach Deutschland ausschwärmt: „Die Sulzer kennen mich alle schon von früher. Ich genieße die Ruhe.“

Zur Langhantel greift der lebensfrohe Olympiasieger nur noch einmal die Woche. Die Gewichter sind allerdings geschrumpft: „Ich lege maximal 150 Kilo auf. Ich war der stärkste Mann der Welt. Ich muss mir nichts mehr beweisen.“