Aggsbach

Erstellt am 19. April 2017, 01:39

von Michaela Fleck-Regenfelder

Im Garten der Mönche. Wo schon vor über 600 Jahren die Kartäuser lebten und beteten, kann man heute in Aggsbach spazieren – und meditieren.

Sieben der Zellen, in denen von 1380 bis 1782 die Einsiedlermönche lebten, gehören seit 2016 zum grünen Zellentrakt im Meditationsgarten von Aggsbach. Zwei hat man noch „für die nächste Generation“ aufgehoben – zum Ausgraben.  |  Nussbaumer

„Nein, der Kartäusermönch ist nicht allein innerhalb der Mauern seiner Zelle. In seiner Einsamkeit nimmt Gott Wohnung.“

Was einst einer der in ganz Europa beheimateten Einsiedlermönche geschrieben hat, steht heute in ausgefrästen Buchstaben auf einer mannshohen, rostroten Tafel. Und zwar in „cella.d“, also: Zelle D.

Die gehört, mit sechs anderen Zellen, zu einem von drei Kartäuserklöstern in NÖ, nämlich dem in Aggsbach, am linken Donauufer. Das wurde zwar, wie die meisten anderen auch, 1782 aufgehoben. Und die Zellen der Mönche abgetragen und daraus unter anderem der neue Kirchturm gebaut.

"Unter dem Humus"

Die Fundamente, auch das Pflaster, etwa vom Großen Kreuzgang, aber blieben. „Unter dem Humus“, wie Christine Nussbaumer erzählt, die auch durch die Kartause führt. 2008 begann das Bundesdenkmalamt, sie auszugraben. Acht Jahre später hat man dort, im früheren Zellentrakt, einen Meditationsgarten eröffnet.

Mit Stahlrahmen, wo einst die Gänge waren, mit Betonfundamenten, wo einst die Mauern waren, mit weißem Kies, wo einst die Wege, mit rotem Kies, wo einst die Zellenräume waren. Und mit Blauriegel, der den Kreuzgang umwachsen soll, mit Geißblatt, Kiwi und Hopfen, die die einzelnen Zellen mit grünen Wänden umschließen sollen.

„Wir wollten“, erklärt Christine Nussbaumer, „die verlorene Architektur mit grüner Architektur wieder hochziehen.“ Dazu hat man den Melker Landschaftsplaner Alfred Benesch engagiert, die Langenloiser Gartenbauschule mit eingebunden – und gerade erst das „Natur im Garten“-Siegel als ökologischer Schaugarten bekommen.

Zu sehen gibt’s in der Aggsbacher Kartause aber auch noch die Kirche, das Refektorium, eine originale Zelleneinrichtung. Und die ehemalige Werkzeugschmiede des Klosters, die noch voll funktionstüchtig ist.

http://kartause-aggsbach.at