Erstellt am 21. November 2017, 00:28

von Christine Haiderer

Muße in Maßen: Selbstwahrnehmung soll helfen. Menschen können zu aktiv oder zu entspannt sein. Wer weiß, wie es ihm geht, kann leichter damit umgehen.

Wer mehr Muße, mehr Entspannung braucht, wählt Tätigkeiten aus, die nicht viel Aktivität brauchen und gute Stimmung bringen, wie Katze streicheln am Sofa.  |  Olena Yakobchuk/Shutterstock.com

„Wir haben es ein bisschen verlernt, uns an die Jahreszeiten anzupassen“, glaubt Psychologin Heide-Marie Smolka. „Gerade im Advent braucht es Gemütlichkeit und Geborgenheit.“

Die Gesellschaft aber verlangt nach dem Turbo-Modus, nach viel Aktivität. Das Problem: „Turbo fühlt sich lange Zeit gut an, aber auf Dauer ist er gefährlich“. Burnout droht.

„Wir sind dem aber nicht ausgeliefert“, sagt sie. „Der erste Schritt ist, in die Selbstwahrnehmung zu gehen, der zweite Schritt steuernd einzugreifen.“ Gemeinsam mit Medizinerin Katharina Turecek hat sie ein Modell entwickelt, das dabei helfen kann, mit Gefühlen besser umzugehen.

Übrigens: „Wir können emotionale Tendenzen trainieren“, schreiben die zwei in ihrem Buch „Zum Glück mit Hirn“. „Jedes Mal, wenn Sie eine bestimmte Emotion ausleben, stärken sie die entsprechenden Zellverbände. Das führt dazu, dass Sie das entsprechende Gefühl in Zukunft leichter empfinden werden.“

Mehr Muße bei zu viel Turbo

Zu viel Turbo verlangt nach mehr Muße, nach Ruhe, nach Entspannung. Zum Beispiel nach einem Schaukelstuhl vorm offenen Kamin, nach einer Hängematte oder nach einem romantischen Waldweg. Nach Tätigkeiten, die nicht aktivieren. „Viele haben die Befürchtung, wenn sie sich aufs Sofa setzen, ins Jammertal zu kippen“, so Smolka. Dorthin, wo schlechte Stimmung, wenig Energie, Traurigkeit und Sorgen sind. Umso mehr gilt es, Tätigkeiten zu finden, die einen in gute Stimmung versetzen. Gemeinsam mit der Katze am Sofa sitzen zum Beispiel.

Wem all das, das Gemütliche, das Ruhige und Entspannende zu sehr zur Gewohnheit wird, der hat in Sachen Muße vielleicht zu viel erwischt, kann sich nicht aufraffen, kommt nicht in die Gänge. Und auch das kann problematisch sein. „Jeden Tag nur von der Hängematte zur Hollywoodschaukel, von der Massage zur Pilates-Stunde birgt die Gefahr des Leergefühls in sich. Es braucht auch den Antrieb, das Zielerreichen, das Schaffen, das sinnvolle Tun, um die Lebenszufriedenheit zu nähren“, schreiben Smolka und Turecek. Dazu kann man sich Zeiten schaffen für produktive Phasen, Rituale zum Starten überlegen, sich bewegen und kleine Ziele setzen, die erreicht werden können, Erfolg und Motivation bringen.