Erstellt am 18. Oktober 2016, 09:02

Noch Zimmer frei?. Am Wechsel diskutierten Architekten, Initiativen und Gemeinden über leere Räume und neue Konzepte – auch für NÖ.


Ein Häuschen am Schienenrand: In Wienerbruck haben
Veronika und Jürgen Nutz in dem leer stehenden Bahnhofsgebäude aus 1905 zwei
liebevolle Genießerzimmer eingerichtet.
 |  Lindmoser

Der eine hat „Urlaub“ am Zaun stehen. Und vermietet Genießerzimmer – mit Ötscherblick. Ein anderer backt Torten, näht Schuhe oder braut Bier.

Leer steht keiner von Niederösterreichs ganz besonderen Bahnhöfen, in Wienerbruck, in St. Ägyd, in Kernhof oder in Obergrafendorf. Viele andere dagegen schon. Bahnhofsgebäude, Ladenlokale oder manchmal sogar halbe Ortskerne.

Damit die wieder belebt werden, hat das Wiener Architekturbüro nonconform – das in Niederösterreich etwa den Dorfplatz von Zeillern oder den Hauptplatz von Haag neu gestaltet hat – heuer schon die fünfte Leerstandskonferenz einberufen. Und zwar in St. Corona am Wechsel.

„Jetzt geht es um klare Statements“

Anne Krämer

Dort, wo einst der Skitourismus boomte und heute die Zimmer leer stehen, hat gerade erst die neu gebaute Wechsel Lounge eröffnet. Und dort trafen sich vergangenes Wochenende Architekten, Meteorologen und Touristiker, Netzwerkforscher, Strategieentwickler und Innenstadtkoordinatoren, Raumplaner, Hotelbesitzerinnen und Bürgermeister, um zwei Tage lang unter dem Motto „Zimmer frei!“ gegen den Leerstand zu reden.

„Die Zeit“, sagt Architektin und Projektleiterin Anne Krämer, „wäre schon früher reif gewesen für so eine Konferenz.“ Aber: „Jetzt geht es um klare Statements.“ Um „direkten Austausch“. Und um Projekte, die „ein Auslöser für vieles sein können“, wie das heftig umstrittene und heiß geliebte Konzerthaus mitten in Blaibach im Bayrischen Wald oder die Grätzlhotels in der Wiener Innenstadt.

Auch die revitalisierten Bahnhöfe in Niederösterreich sind solche Projekte. Denn: „Sie waren immer ein Ort der Begegnung“, meint Veronika Nutz, die mit ihrer Familie in Wienerbruck zum „Urlaub am BAHNhof“ lädt. Und die Bahnhöfe sind „das Erste, was man von einem Ort sieht“. Leer steht „ihr“ Bahnhof schon seit einem Jahr nicht mehr. Im Gegenteil. „Es kommen ganz neue Gäste …!“