Erstellt am 27. Januar 2014, 23:59

von Kevin Kada

Afrika in der Tasse. Johanna Wechselberger aus Stockerau gab ihren Job in einer Agentur auf und widmete fortan ihr ganzes Leben dem Kaffee. Jetzt ist sie „Master-Barista“ geworden.

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Von Kevin Kada

Sobald man die „Vienna School of Coffee“ von Johanna Wechselberger (45) aus Stockerau betritt, wird man von einem wohlig warmen Gefühl umgeben: Kaffeeduft strömt in die Nase und man fühlt sich wie zu Hause.

An der Tür fällt der Blick gleich auf das Herzstück des Raumes: die Kaffeemaschine, die den verführerischen Duft fabriziert. Davor werkt Wechselberger und zaubert einen leckeren Espresso. „Wenn man nirgendwo guten Kaffee bekommt, dann muss ich ihn eben selber machen“, schmunzelt die Kaffeerösterin.

„Ich teste oft und gerne Kaffee. Egal ob in Lokalen oder die modernen ‚Coffee-To-Go’-Varianten. Doch bei den meisten bekommt man nur eine braune heiße Flüssigkeit, die mit Kaffee nichts zu tun hat.“

Ein Faible für alles, das sich reparieren lässt 

Bevor Wechselberger zum Kaffee gekommen ist, hat sie Motorräder repariert: „Ich hatte immer eine Leidenschaft für Dinge, die man reparieren kann.“ Nach einiger Zeit kam ihr eine Espressomaschine unter, die sie wieder in Gang setzte.

„Ab da war es um mich geschehen und ich habe mich immer mehr mit dem Thema Kaffee auseinandergesetzt.“ 2006 gab sie ihren Job in einer Werbeagentur auf und eröffnete mit ihrem Ex-Mann ein Café in Wien. Doch der Erfolg blieb aus: „Ich könnte zehn Gründe aufzählen, warum man keinen Coffeeshop eröffnen sollte. Doch ich habe diese Erfahrung gemacht und möchte sie nicht missen. Sonst wäre ich wohl nicht da, wo ich jetzt bin.“

Rösten ist eine langwierige Angelegenheit

So kam es, dass sich Wechselberger ihrer Leidenschaft widmen konnte: dem Rösten der Kaffeebohnen. Nach und nach erstand sie immer größere Maschinen: „Zuerst eine kleine um 8.000 Euro, dann immer größere. Meine derzeitige kostete 13.800 Euro. Ein stolzer Preis, aber er macht sich bezahlt.“

Wechselberger röstet nicht irgendeinen Kaffee, sondern Mischungen, die sie im Anbaugebiet aussucht: „Ich bin mehrmals im Jahr auf den Ernteplantagen in Afrika und Südamerika, um mir dort die besten Ernten auszusuchen.“

Nach dem Import geht die Arbeit los: „Das Rösten ist eine langwierige Angelegenheit. Ich probiere die einzelnen Produkte, bis ich wirklich einen guten Kaffee bekomme. Selbst nach knapp drei Jahren experimentiere ich noch viel.“

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Mit der Erfahrung kam auch die Ausbildung zur Barista. „Man könnte sagen, ein Barista ist eine Art Kaffeesommelier. Man ist ausgebildet in der Handhabung der Geräte, der Zubereitung und der Präsentation des Kaffees.“

Diese Ausbildung gipfelt im Master-Barista. Ein Titel, den Wechselberger seit Ende 2013 tragen darf: „Ich habe es nicht darauf angelegt, doch nun darf ich selbst Barista ausbilden. Dafür werde ich sogar in Jurys eingeladen.“

Neben ihrer Tätigkeit als Barista ist Wechselberger auch unter die Autoren gegangen: „Ich habe bereits zwei Bücher über Kaffee gemacht. Ich will den Leuten zeigen, dass man sich nicht mit handelsüblichen Sorten abgeben muss, sondern auch seinen eigenen Kaffee kreieren kann.“

Eine Lieblingssorte hat die Stockerauerin übrigens nicht: „Ich trinke gern verschiedene Arten und Sorten. Ich will ja auch nicht jeden Tag die gleiche Nachspeise essen …“