Erstellt am 10. Mai 2016, 06:54

von Teresa Sturm

Mit Humor auf vier Rädern durchs Leben. Der Horner Tom Gschwandtner beantwortet in seinem Buch Fragen, die sich keiner stellen traut.

Rollstuhlfahrer Tom Gschwandtner aus Horn hat das Buch »Gelähmt ist nicht gestorben geschrieben.  |  NOEN, www.schewig-fotodesign.at

Tom Gschwandtner ist seit einem Unfall vor 20 Jahren gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Darüber hat er ein Buch geschrieben. „Gelähmt ist nicht gestorben“ soll aber kein Ratgeber oder Mutmacher sein. „Das Buch habe ich geschrieben, um Fragen zur Lähmung zu beantworten, die sich ein normaler Mensch nie fragen traut. Zum Beispiel zu Themen wie Sexualität oder Stuhlgang.“

Gschwandtner, der mit seiner Frau Gabi und ihren beiden Kindern in Horn lebt, bekam nach seinem Unfall damals selbst viele dieser „Wunderheilerbücher“. Er konnte damit nichts anfangen. „In der Situation interessieren dich keine Gelähmten, die über die Wiese tanzen“, sagt der 69er-Jahrgang. Beim Gespräch mit ihm wird deutlich, er ist keiner, der sich zu ernst nimmt. Überhaupt lacht der Waldviertler viel und nimmt das Leben mit Humor.

Gschwandtner war vor dem Unfall 1995 im pharmazeutischen Außendienst tätig. 2000 gründete er mit seiner Frau die Firma Datenschmiede und arbeitet seither als Grafiker und Texter. Das Thema Lähmung ist zwar jetzt durch die Lesungen oft präsent, es gebe aber unzählige Momente, wo Gschwandtner überhaupt nicht daran denke. „Wenn ich dasitze und telefoniere, dann hab’ ich ja gegenüber niemandem einen Nachteil. Da beeinträchtigt mich nichts“, sagt er.

Sport stehen am Programm

Auch Sport ist für Gschwandtner alles andere als unmöglich. Kurzhantel-Training, Unternehmungen mit dem Handbike oder Schwimmen im Pool stehen am Programm. „Wobei Schwimmen ... es ist eher ein Überlebenstraining“, sagt er und muss lachen. Familienurlaube nützen Tom und Gabi Gschwandtner gerne, um zu reisen. Neben Europa war auch New York eines ihrer Ziele.

Auf einen Ärztekongress im September ist Gschwandtner schon besonders gespannt. Er ist dort eingeladen, um über seine Behinderung zu sprechen. Auf Zukunftspläne angesprochen überlegt er kurz: „Ich habe immer gesagt, ich schreibe nie wieder ein Buch. Ich hab’ auch wirklich genug zu tun.“ Es wäre typisch für ihn, wenn er sich da „noch was umhängt“, aber: „ich überlege gerade!“

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