Erstellt am 21. September 2015, 04:32

von Anita Kiefer

Der Märchenerzähler. Der Gmünder Franz Graf hat die Baufirma Leyrer + Graf geleitet. Jetzt hat er ein Buch über Märchen herausgebracht, die er 20 Jahre lang zu Weihnachten verschickt hat.

Franz Graf  |  NOEN, privat

65 Jahre lang war Franz Graf im Berufsleben fest verankert.49 davon hat er die Gmünder Baufirma Leyrer + Graf geleitet. Der heute 84-Jährige war und ist aber keineswegs ein knallharter Geschäftsmann, sondern beschäftigt sich schon seit seiner Jugend mit den Themen Bewusstseinsbildung und Eigenverantwortlichkeit. In der Adventzeit versuchte er jedes Jahr, sich zu besinnen. In den vergangenen 20 Jahren brachte Graf seine Gedanken in der Weihnachtszeit in Form von Märchen zu Papier  – und verschickte sie anstelle von herkömmlichen Weihnachtsgrüßen an ihm wichtige Menschen. Jetzt bringt Graf die Märchen aus 20 Jahren als Buch heraus.

Graf: Advent ist mehr als ein „guter Brauch“

Graf ging es darum niederzuschreiben, dass der Advent, die Ankunft, mehr ist als „ein guter Brauch“. Diese Märchen hat er all die Jahre für ihn wertvollen Mitarbeitern, Freunden, Geschäftspartnern, Familienmitgliedern und Verantwortungsträgern geschickt. Der Inhalt war für alle gleich. Geschrieben hat er Märchen bis zum Jahr 2013 – da übergab er seine Agenden bei Leyrer + Graf an seinen Sohn. Das war für ihn ein Zeitpunkt, an dem ein neuer Lebensabschnitt begann. Und: Mit dem Märchen 2013 beantwortete sich eine offene Frage aus dem ersten Märchen. „Ich habe gesagt, das fügt sich jetzt“, sagt Graf. Deswegen kam ihm die Idee, seine Märchen in Buchform unter dem Titel „Sternenmärchen“ zusammenzufassen.

Warum er sich für das Märchenschreiben entschieden hat? „Was mir fehlt: Dass man in sich geht, sich selbst wahrnimmt – alle sind im Außen orientiert“, so Graf. Ein Beispiel für ein Märchen: Eines handelt vom Landeplatz des Glücks, sagt Graf. „Für wirkliches Glück, dafür muss man einiges vorbereiten, damit das Glück einen Landeplatz hat.“ Märchen sind für ihn die beste Darstellungsform für seine Gedanken: „Weil ich glaube, da kann man die Dinge mit einem Geschehen umschreiben.“

Der Gmünder hat, was seinen Beruf betrifft, eine beeindruckende Karriere hingelegt: Vom technischen Lehrling arbeitete er sich in der Baufirma zum Baumeister und Geschäftsführer hoch, machte das Unternehmen Leyrer + Graf zum größten Arbeitgeber des Waldviertels. Wie er das geschafft hat? „Arbeit ist für mich Erfüllung“, sagt Graf. „Weil ich mit Freude das getan habe, was ich tun durfte.“ Und: „Ich war das Kind armer Eltern und habe die Lebenschance erhalten, etwas zu machen.“

Sein Erfolgsrezept: „An etwas glauben“

Generell scheint Graf sehr früh gewusst zu haben, wohin es in seinem Leben gehen soll, beruflich und privat: Mit seiner Frau ist er seit 47 Jahren verheiratet. Sein Erfolgsrezept: „An etwas glauben“, sagt er, eine Lebensaufgabe haben. „Ich wollte immer etwas formen“, erklärt er.

Neben Beruf und Familie hat Graf auch eine Leidenschaft für Sport und Musik. Jeden Morgen seit 40 Jahren macht der 84-Jährige Gymnastik und Konditionstraining. Und: „Meine Frau ist Musikerin, wir haben einen Konzertzyklus. Musik bewegt mich sehr.“

Nach wie vor ist Graf in der Firma Leyrer + Graf tätig. Ganz weg von der Firma wollte er nach 2013 nämlich nicht: Jetzt arbeitet er an „selbstauferlegten Arbeiten“ wie der Firmenchronik und der Aufarbeitung von Akten. Und: Er will seine Lebensgeschichte schreiben.
 

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