Erstellt am 26. Januar 2016, 05:03

von Teresa Sturm

Finden und forschen. Die Kremser Bioarchäologin Michaela Binder wies die älteste Prothese Europas nach.

Michaela Binder arbeitet derzeit im Sudan und hebt dort mit einem kleinen Forschungsteam von vier Leuten und der Unterstützung von acht Einheimischen Gräber aus.  |  NOEN, British Museum

„Es begeistert mich, was wir inzwischen alles über das Leben in der Vergangenheit herausgefunden haben“, sagt die Bioarchäologin Michaela Binder. Sie wies nun an einem 1.500 Jahre alten Skelett, das in Kärnten ausgegraben wurde, die älteste Prothese Europas nach.

Der Fuß war bei dem Mann etwa zehn Zentimeter über dem Knöchel abgetrennt worden. Von der Prothese sind noch ein Eisenring und Holzüberreste da. Der Holzstumpf dürfte mit einem Ledergurt oder Beutel am Bein angebracht gewesen sein.

Schon 2014 arbeitete Binder an einer Sensation mit. Die gebürtige Kremserin wies an einem 3.200 Jahre alten Skelett aus dem Sudan Krebs-Metastasen nach – einer der ältesten bekannten Krebsfälle weltweit.

Spaß am Suchen und Finden

Die 33-Jährige studierte Humanbiologie sowie Ur- und Frühgeschichte in Wien. Den Doktor machte sie an der Uni Durham. Seit 2015 arbeitet Binder für das Österreichische Archäologische Institut, forscht aber derzeit für das British Museum im Sudan und hebt dort mit einem Team Gräber aus. „Es sind nicht die einfachsten Bedingungen. Wir leben am Wüstenrand auf einer Insel und fahren mit dem Boot zur Grabung“, schildert Binder ihren Alltag.

„Es ist aber landschaftlich wunderschön. Ich arbeite wahnsinnig gerne hier“, sagt die Forscherin, die sich schon immer für Geschichte und Archäologie interessiert hat. „Das Suchen und Finden, das ist die Arbeit, die mir Spaß macht. Und das Entdecken und Forschen“, so Binder. Da sie sich auf menschliche Überreste fokussiert hat, könne sie überall auf der Welt arbeiten. Da Binder gerne reist, genießt sie es, durch ihren Job so viel herumzukommen.

Aufregende Einblicke in Grabkammern

Die Arbeit könne man sich zwar nicht wie die von Indiana Jones vorstellen, abenteuerlich wird es dennoch manchmal. „Die Grabkammern, die wir hier ausgraben, sind teilweise sieben Meter tief und waren dreitausend Jahre mit Sand befüllt. Wenn man da das erste Mal reinschaut … das ist schon immer sehr aufregend“, schwärmt Binder.

Für die noch nicht untersuchten Skelette von Kärnten sammelt Binder Forschungsgelder. Sie will mehr über das Zusammenleben, den Gesundheitszustand und die Ernährung der Menschen wissen, die vor 1.500 Jahren lebten.