Erstellt am 28. Juni 2016, 06:40

von Teresa Sturm

Stenografin im österreichischen Parlament. Brigitte Gradischnik-Schanner hat für viele Jahre jedes Wort im Parlament dokumentiert.

Das Gesprochene ins Geschriebene zu bringen, war Brigitte Gradischnik-Schanners Job.  |  BKA/Andy Wenzel, BKA/Andy Wenzel

43 Jahre vor dem Rednerpult. Nicht dahinter. Die Mistelbacherin Brigitte Gradischnik-Schanner war mehr als vier Jahrzehnte lang Stenografin im österreichischen Parlament. Fünf bis sechs A4-Seiten entstehen dabei in einer Stunde.

Nach der Matura im Gymnasium in Gänserndorf war nicht gleich klar, wie Gradischnik-Schanners beruflicher Weg weitergehen würde, aber „ich habe mich immer für Politik interessiert“. Im öffentlichen Dienst sei sie zwar schlecht bezahlt worden, aber es habe die Möglichkeit für ein Studium gegeben. So hat Gradischnik-Schanner, Jahrgang 1954, Geschichte und Publizistik studiert.

Auch für Journalismus interessiert

Dass sie ihr berufliches Leben ausschließlich im Parlament verbringt, war nicht immer klar, denn auch Journalismus habe sie immer interessiert. Eine Zeit lang war sie sogar in der Lehrredaktion der Presse tätig.

Ausgleich zu ihrer oft kräftezehrenden Arbeit fand Gradischnik-Schanner in ihrem Garten im Weinviertel, wo sie nach wie vor ihre Wochenenden mit ihrem Mann und Hund Lucy verbringt.

Nach nur kurzer Zeit in Pen sion wirkt Gradischnik-Schanner entspannt. Besonders freut sie sich nun auf mehr Zeit für Freunde. Auch Reisen stehen an. Im Sommer geht es mit ihrem Mann auf Kreuzfahrt durch die Ostsee.

Feierliche Verabschiedung in die Pension

Über die feierliche Verabschiedung in die Pension im Parlament vor einigen Wochen habe sie sich gefreut, sagt Gradischnik-Schanner, obwohl sie keine ist, die sich in den Mittelpunkt drängt.

Durch die Nähe zur Politik veränderte sich die Weinviertlerin: „Man wird schon abgebrüht. In diesem Job hat man dann auch keine politischen Vorlieben mehr. Es geht nur mehr darum, ob wer menschlich und freundlich ist.“

Bei einer Frau, die gerne schreibt und so gut Geschichten erzählen kann, taucht die Frage auf, warum sie noch nicht unter die Autorinnen gegangen ist. „Das habe ich überlegt.“ Über die Jahre hätte sie Stilblüten gesammelt wie „Die Toten vermehren sich auf Österreichs Straßen“. Doch durch den Untersuchungsausschuss war die Stenografin zu beschäftigt. „Eine Broschüre habe ich aber herausgegeben.“ Und wer weiß, was die Pension noch bringt ...