Erstellt am 24. November 2015, 06:08

von Teresa Sturm

Verliebt in die Arbeit. Die Euratsfelderin Eva Maria Handl ist mit ihrem Kleid im Finale des Haute Couture Award.

»Genoveva war schon immer ein Spitzname für mich. Als Kind habe ich gesagt: Wenn ich Künstlerin werde, dann wird das mein Name.«  |  NOEN, NÖN / Sturm
„Am Abend nach dem Nähen gehe ich oft noch einmal eine Runde, um zu sehen, was ich geschafft habe. Ich mag es gerne, etwas zu schaffen, was man auch wirklich sieht“, sagt die Schneidermeisterin für Damenkleidung Eva Maria Handl über ihre Arbeit.

Mit dem von ihr selbst entworfenen und geschneiderten Kleid steht sie nun mit elf weiteren Schneiderinnen im Finale des Österreichischen Haute Couture Awards. Am Mittwoch entscheidet eine Jury, darunter der Künstler Christian Ludwig Attersee, wer gewinnt. Von ihm kam auch ein Designentwurf für den Stoff, den die Teilnehmerinnen verwenden mussten.

Arbeit vor dem Computer ist nichts für mich

Die 26-Jährige hat sich im Jahr 2011 in ihrem Heimatort Euratsfeld im Bezirk Amstetten selbstständig gemacht und führt seitdem die Schneiderei „Genoveva“. Obwohl Handl die Mode HBLA Lentia in Linz besuchte und 2010 mit der Matura abschloss, war es für sie lange nicht klar, dass sie wirklich Schneiderin wird. Nach der Meisterklasse mit Schwerpunkt Bühnenkostüm an der Modeschule in Wien arbeitete sie als Schnittzeichnerin: „Ich wusste aber schnell, dass die Arbeit vor dem Computer nichts für mich ist.“ Familie und Freunde hätten ihr gut zugeredet, ein Unternehmen zu gründen. Sie wollte nicht mit 50 dastehen und sich fragen: „Was wäre wenn?“ Und so wagte Handl den Schritt. Mit der Zeit habe sie sich dann in die Arbeit verliebt. „Es wird eigentlich immer noch mehr“, so die Euratsfelderin.

Handl weiß, wie wichtig die Kunden sind. Jene, die nicht in die gängigen Konfektionsgrößen passen, schätzen ihre Arbeit besonders. Manche hätten zwar vorher Zweifel, Handl weiß aber schnell, wenn es passt: „Die Haltung verändert sich sofort. Wenn der Schnitt passt, richten sich die Kundinnen auf. Und genau das soll passieren, wenn man zu mir kommt.“

Wenn Zeit bleibt, schneidert sie auch für sich selbst. Einkaufen gehe sie nicht mehr so gerne. „Wenn ich ein schönes Kleid kaufe, fragen mich die Leute, ob ich es selbst gemacht habe. Das tut dann schon weh“, sagt Handl lachend.

Auf das Finale, das in Wien stattfindet, ist Eva Maria Handl schon gespannt: „Einer der ersten drei Plätze würde mich schon irrsinnig freuen.“ Aber auch so sei sie zufrieden, mit allem, was sie sich schon aufgebaut hat.

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