Erstellt am 25. April 2017, 02:17

von Martin Gebhart

Dialog mit den Landwirten. Landesjägermeister Josef Pröll anlässlich des Landesjägertages über die Stellung der Jagd, den Nachwuchs und die Probleme mit den Wölfen im Waldviertel.

Landesjägermeister Josef Pröll beim samstägigen NÖ-Landesjägertag in der Gemeinde Ziersdorf im Bezirk Hollabrunn.  |  Witzany

NÖN: Herr Landesjägermeister, wie zufrieden sind Sie eigentlich mit der Situation oder Stellung der Jagd in Niederösterreich?

Josef Pröll: In der Jägerschaft wird sicher viel diskutiert und es gibt eine Vielzahl an Meinungen. Interessant ist da der Blick von außen: Laut einer Umfrage stehen 70 Prozent der Bevölkerung der Jagd aufgeschlossen oder positiv gegenüber. Nur sechs Prozent lehnen die Jagd kategorisch ab. Also ich bin zufrieden. Die Positionierung in der Mitte der Gesellschaft ist gut. Wir können sie natürlich noch verbessern und daran arbeiten wir.

Die Mehrheit sieht die Jagd also positiver als die öffentliche Debatte, die es immer wieder rund um die Jagd gibt?

Pröll: Weil die radikalen Jagdgegner einfach eine lautere Stimme haben, wenn sie radikalere Ansichten vertreten und diese sechs Prozent einfach mehr auf den Busch hauen. Aber daran darf man sich nicht orientieren. Man muss mit denen den Weg gehen, die einem offen und positiv gegenüberstehen. Um diese Zustimmung werben wir und mit den anderen setzen wir uns auseinander.

Wie sieht es bei der Jägerschaft mit dem Nachwuchs aus?

Pröll: Wir haben bei den Prüfungen eine stark steigende Zahl an Jägerinnen und Jägern. Wir haben in den vergangenen Jahren zugelegt, wir sind knapp bei den 35.000 Jägern. Das überrascht uns positiv. Von den bestandenen Jagdprüfungen des vergangenen Jahres waren 19 Prozent Frauen, Tendenz weiter stark steigend.

Wie aber sieht es beim Nachwuchs aus, wenn Jagdreviere neu übernommen werden sollen? Man hört, dass die Pachten für Junge einfach zu teuer werden?

Pröll: Das ist eine Herausforderung, damit man die Balance nicht aus dem Auge verliert. Darauf weise ich auch immer wieder hin. Das hängt auch damit zusammen, dass wir örtlich, kleinregional – das betrifft auch Niederösterreich – einen Einfluss des Wildes auf Wald und Feld haben, der im Hinblick auf die Ausmaße der Wildschäden von den Jägern schwer zu bewältigen ist. Dann gibt es Schwierigkeiten bei der Jagdvergabe. Damit wir das gemeinsam lösen, haben wir einen Jour fixe mit der Landwirtschaftskammer eingerichtet, um all diese Probleme durchzudiskutieren. Es muss auch im Interesse der Eigentümer liegen, dass die Reviere ordentlich bejagt werden. Weder ausgeschossene, leere Reviere bringen den Jägern etwas noch Überbestände mit enormem Wildschaden.

Das historische Konfliktpotenzial zwischen Jägern und Landwirten ist entschärft worden?

Pröll: Das Konfliktpotenzial ist weniger geworden, weil wir mit dem Mariazeller Forst-Jagd-Dialog, wo wir uns österreichweit regelmäßig treffen, und in Niederösterreich mit Landwirtschaftskammerpräsident Hermann Schultes den richtigen Weg gegangen sind. Wir müssen ja Antworten finden. Es gibt berechtigte Forderungen der Eigentümer regional, wo es Wildschäden gibt, die nicht vertretbar sind, es gibt aber berechtigte Anliegen der Jäger. Man kann das nur mit Gesprächen lösen und nicht vor Gericht.

Wie ist die Situation mit den Wildschweinen, die den Bauern stark zu schaffen machte?

Pröll: Die ist stabil. Wir haben in den Jahren, als es eine kräftige Zunahme gab, stark in den Bestand eingegriffen. Wir beobachten die Situation genau und haben eine Arbeitsgruppe für das Schwarzwild eingerichtet.

Grundsätzlich zum Wildbestand in Niederösterreich, wo sind derzeit die großen Herausforderungen für die Jäger?

Pröll: Riesige Herausforderungen haben wir im Niederwild, bei den Hasen, Fasanen und Rebhühnern. Das hängt auch damit zusammen, dass die Greifvögel nicht mehr bejagt werden können. Da warne ich davor, wir müssen diese Niederwildbestände im Weinviertel halten können. Es kann nicht sein, dass der Greifvogel geschützt ist und das Niederwild vor die Hunde geht.

Dasselbe Thema gibt es ja jetzt genauso mit dem Wolf im Waldviertel.

Pröll: Der Wolf kommt herein, ist am Waldviertler Truppenübungsplatz in Allentsteig, und verändert dort die Situation, vor allem einmal für die Landwirtschaft. Er verändert auch die jagdlichen Gegebenheiten, das Mufflon ist dort schon schwer unter Druck. Da werde ich nicht zuschauen. Deswegen haben wir jetzt eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Da sind viele Bereiche betroffen. So einfach, wie manche sagen, dass sich der Wolf vermehren soll und Rudel bildet, ist es ja nicht. Wir haben ein Beispiel mit Biber und Fischotter, die unter massivem Naturschutzgedanken ausgesetzt wurden, und heute stehen wir vor der Herausforderung des wirtschaftlichen Schadens, den diese Tiere anrichten. Und jetzt muss man von der Politik eingreifen. Da werden wir beim Wolf sicherlich nicht zuschauen. Diese Arbeitsgruppe muss Antworten finden, wie wir vernünftige Managementpläne erarbeiten. So kann es nicht sein, dass die einen versuchen anzusiedeln und die Schäden haben die anderen. Wobei wir strikt gegen die Ansiedelung und Aussiedelung des Wolfes sind. Wenn er natürlich kommt, werden wir uns damit auseinandersetzen müssen.