Erstellt am 16. Mai 2017, 01:15

von Christine Haiderer

Nicht verurteilen, sondern verstehen. Die Kremser Tage widmen sich dem Thema „Flucht – Migration – Integration – Solidarität“.

Wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, etwa durch Verfolgung, Flucht und Migration, bringt das Herausforderungen mit sich, aber auch Chancen.  |  Frank Gaertner/Shutterstock.com

Warum braucht man Heimat? Warum Zugehörigkeit? Was heißt es, Heimat zu verlieren? Um „Flucht – Migration – Integration – Solidarität“, um Herausforderungen und Chancen in Zeiten globaler Krisen geht es heuer bei den Kremser Tagen am 2. und 3. Juni.

Flucht, Migration, Integration, Solidarität … es ist ein beidseitiger Prozess, der in vielen Punkten schwierig ist, so Christoph Pieh, der wissenschaftliche Leiter des Symposiums des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit der Donau-Uni Krems. Doch: „Ich sehe es auch als Chance.“ Die Chance, Offenheit entstehen zu lassen, die Chance, voneinander zu lernen, die Chance, die Perspektive zu wechseln. Das gilt für alle.

Ärzte, Therapeuten & Co. haben darüber hinaus noch auf Weiteres zu achten. „Als Therapeut muss man eine möglichst wertefreie Haltung anstreben“, so Pieh. „Nicht verurteilen, sondern verstehen!“ Und: „Man muss sich selbst durchleuchtet haben.“ Welche Werte hat man? Welche Vorurteile? Auch Ärzte und Therapeuten können Vorurteile haben. Auch ihnen kann es passieren, dass sie Vorstellungen anderer Kulturkreise nicht verstehen. Umso mehr gilt: „Man muss kritisch mit sich sein und ehrlich.“ Erst dann kann man sich ein Stück weit davon anschauen, was der Patient von seinem Leben skizziert. Um herausfinden zu können, warum er diese oder jene Beschwerden hat, „muss ich verstehen, wie sein Leben aussieht und wie sich das anfühlt“, so Pieh.

Probleme gibt es viele. „Eine Diagnose, die sehr präsent ist, ist die posttraumatische Belastungsstörung.“ Typisch dafür ist etwa eine massive Schreckhaftigkeit. Betroffene müssen die Kriegssituation wieder und wieder erleben, haben Flashbacks, hören die Bomben, sehen die Bilder, haben Albträume. Sie müssen immer wieder daran denken, müssen prüfen, ob Gefahr droht.

Infos und Anmeldung: www.donau-uni.ac.at/psymed