Erstellt am 27. Januar 2014, 23:59

von Martin Gebhart

Altbischof. Diözese St. Pölten / Nach schwerer Krankheit Seit seinem Rücktritt als Diözesanbischof von St. Pölten war Bischof Kurt Krenn praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Zuerst lebte er in seiner Wohnung in der Klostergasse in St. Pölten.

Bischof Kurt Krenn ist in seiner Amtszeit Auseinandersetzungen nie aus dem Weg gegangen. Er verstarb im 78. Lebensjahr.  |  NOEN, APA

Von Martin Gebhart

Seit seinem Rücktritt als Diözesanbischof von St. Pölten war Bischof Kurt Krenn praktisch nicht mehr in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Zuerst lebte er in seiner Wohnung in der Klostergasse in St. Pölten. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er im Gerersdorfer Kloster der Dienerinnen der Immaculata, wo er auf der Pflegestation betreut wurde. Dort verstarb er am Samstag um 20.17 Uhr nach langer schwerer Krankheit im 78. Lebensjahr. Er soll friedlich im Kreis seiner Familie entschlafen sein, wie die Diözese danach vermeldete.

„Nie den bequemen Weg gegangen“

Als Seelsorger, Professor, Weihbischof und Bischof, der „nie den bequemen Weg gegangen“ sei, der stets versucht habe, „seine Überzeugung von Gott und dem Weg der Kirche in Gesprächen und Diskussionen deutlich darzulegen“ und dabei „Auseinandersetzungen nie aus dem Weg gegangen“ sei, wurde Kurt Krenn anlässlich seines 75. Geburtstages in einer Aussendung beschrieben. Er selbst sprach einmal davon, dass streitbar zu sein für ihn zum „Wesen eines vernünftigen Menschen“ gehöre. Diesbezüglich scheute er keine Konflikte, auch keine Gegner.

x  |  NOEN, Foto: privat

Es gab aufsehenerregende Proteste, als er 1987 zum Weihbischof von Wien ernannt wurde. Genauso gab es Widerstand, als ihn 1991 Papst Johannes Paul II. mit der Leitung der Diözese St. Pölten betraute, die er bis zu seinem Rücktritt 2004 innehatte. 1998 legte er sich sogar mit seinen Mitbrüdern in der Bischofskonferenz rund um einen Bericht über die Kirchenkrise anlässlich eines Ad-limina-Besuches in Rom an. Und er unterstützte als einziger Bischof trotz der Affäre um Missbrauch bis zuletzt den ehemaligen Kardinal Hans Hermann Groer.

Für jeden von uns ein Vorbild

Anlässlich seines Todes beschrieb der jetzige Diözesanbischof von St. Pölten, Klaus Küng, all die Konflikte um seinen Vorgänger so: „Im Rückblick auf jedes Leben gibt es Licht und Schatten, und manchmal kommt es bei einem umstrittenen Menschen auf den eigenen Standpunkt an zu entscheiden, wo das Licht endet und der Schatten beginnt. Bischof Kurt mag Schwächen gehabt haben. Seine Auftritte und Äußerungen haben sicher manche Menschen gereizt, ja geärgert und gekränkt. Vergessen wir dabei aber auch nicht, dass die Sorge um die Kirche und ihre Sendung sein Leben bestimmt haben. In dieser Hinsicht kann er für jeden und jede von uns ein Vorbild sein.“

Doch gerade wegen all dieser Diskussionen rund um seine Person war das Wirken von Kurt Krenn als Bischof von St. Pölten sehr schwierig. „Es gelang Bischof Krenn nicht, die entstandenen Polarisierungen mit der Zeit abzubauen. Diese haben sich im Verlaufe der Jahre sogar leider verstärkt, wobei eine Vielzahl von Faktoren eine Rolle spielte. Gerade deshalb ist es auch heute noch nicht leicht, seiner Person, seinem Einsatz und seinen Bemühungen gerecht zu werden. Wer ihn näher gekannt hat, weiß, dass er unter der Situation nicht wenig gelitten hat. Man darf aber auch nicht übersehen, dass unter den aufgetretenen Spannungen viele andere litten“, so Küng.

Als Professor sehr verehrt

Bischof Kurt Krenn war jahrelang auch als Professor tätig gewesen. Da habe man ihn sehr verehrt, so Bischof Küng. Wegen seines außerordentlich guten Gedächtnisses, seiner Formulierungsgabe und seiner Diskutierfreudigkeit.

x  |  NOEN, Foto: APA/Jäger

Der Nachwuchs und die Ausbildung von Priestern an der Theologischen Hochschule und im Priesterseminar in St. Pölten waren Bischof Krenn immer ein großes Anliegen gewesen. Doch kompromittierende Vorgänge im Seminar weiteten sich zu einer Affäre aus, die schließlich zu einer päpstlich angeordneten Visitation und zu seinem Rücktritt führten. Bischof Küng: „Es ist tragisch, dass gerade Letzteres zum großen Streitfall wurde und schließlich als gescheitert angesehen werden musste. Das war sicher die schlimmste Enttäuschung von Bischof Krenn.“

Landeshauptmann Erwin Pröll: „Dr. Kurt Krenn war ein streitbarer Mann der Kirche mit Handschlagqualität. Die Zusammenarbeit der Diözese und des Landes Niederösterreich fand unter Krenn auf sehr korrekte Weise statt. Bischof Krenn war geprägt durch hohen Intellekt und durch starke Werthaltung, der er in kontroversiellen Diskussionen Ausdruck verlieh. Er respektierte die klare Trennung zwischen Kirche und Staat und prägte dadurch in Niederösterreich eine kooperative Linie beider Institutionen.“

Kardinal Christoph Schönborn: „Er hat sich nie gescheut, auch schwierige Themen und das Widerständige der kirchlichen Lehre gegen den Mainstream zu argumentieren und zu verteidigen.“

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ZUR PERSON:

Kurt Krenn stammte aus dem oberösterreichischen Mühlviertel, wo er am 28. Juni 1936 in Rannariedl geboren wurde. Er besuchte das Gymnasium in Schlierbach und trat anschließend in das Priesterseminar Linz ein. Das Studium der Philosophie und Theologie absolvierte er an der Gregoriana und an der Lateranuniversität in Rom. Am 27. Oktober 1962 empfing er in Rom die Priesterweihe. Danach war er auch als Seelsorger in der Pfarre Capena in der römischen Campagne tätig. Seine weiteren Studien führten ihn nach Tübingen und München.

1970 bis 1975 war er Professor der Philosophie an der katholisch-theologischen Hochschule in Linz und 1974 bis 1975 auch Lehrbeauftragter an der Hochschule St. Pölten. 1975 wurde er auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie nach Regensburg berufen.
x  |  NOEN, Harald Schneider (APA)

Im Jahr 1987 ernannte Papst Johannes Paul II., mit dem Krenn ein Faible für den deutschen, zum Katholizismus konvertierten Philosophen Max Scheler teilte, den oberösterreichischen Theologen zum Titularbischof von Aulon und Weihbischof in Wien. Am 26. 4. 1987 wurde er im Wiener Stephansdom durch Erzbischof Hans Hermann Groer zum Bischof geweiht. Seine Agenden als Bischofsvikar in der Erzdiözese waren Wissenschaft, Kunst und Kultur. Er war auch Vorsitzender der diözesanen Glaubenskommission. In der Bischofskonferenz war Krenn für den Bereich Sport sowie das Ständige Diakonat zuständig.

Die Barmherzigkeit Christi ist unser Friede

Am 11. Juli 1991 erfolgte die Ernennung zum Diözesanbischof von St. Pölten. Sein Wahlspruch: Christi misericordia pax nostra – Die Barmherzigkeit Christi ist unser Friede. Als Höhepunkt der Diözese in seiner Amtszeit gilt der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Juni 1998 in St. Pölten.

Nach kompromittierenden Vorgängen im St. Pöltener Priesterseminar und einer päpstlich angeordneten Visitation, zu der der damalige Vorarlberger Bischof Klaus Küng als Leiter bestellt wurde, reichte Bischof Krenn 2004 seinen erwarteten Rücktritt ein. Er wurde von Johannes Paul II. am 7. Oktober 2004 angenommen.

Nach dem Rücktritt zog sich Bischof Kurt Krenn aus der Öffentlichkeit zurück. Vorerst lebte er in einer Wohnung in St. Pölten, zuletzt auf der Pflegestation im Kloster der Dienerinnen der Immaculata in Gerersdorf. Er verstarb nach langer, schwerer Krankheit am 25. Jänner im Kreis seiner Familie.

Begräbnis am 8. Februar

Requiem und Begräbnis finden am Samstag, 8. Februar, um 11 Uhr im St. Pöltner Dom statt. Am Abend davor (7. Februar) gibt es um 19 Uhr eine Betstunde im Kloster in Gerersdorf.