Erstellt am 07. Juni 2016, 09:10

von Thomas Jorda

„Es beginnt bei den Mädchen“. Die neue, faszinierende Schau in der Kremser Dominikanerkirche.

Elisabeth von Samsonow lebt und arbeitet im Weinviertel. Die bald sechzigjährige Künstlerin stammt aus Bayern und hat den Lehrstuhl für Philosophische und Historische Anthropologie der Kunst an der Akademie der bildenden Künste inne.  |  NOEN, Yvonne Oswald

„Das war eine wahnsinnige Herausforderung, diese Kirche zu bespielen“, sagt Elisabeth von Samsonow. „Das ist nicht nur irgendein Raum, dessen Energie man aufbrauchen kann.“ Um so zufriedener ist sie mit ihrer Ausstellung in der Dominikanerkirche von Krems.

„Transplants“ heißt die Schau, und ihre neue Werkgruppe, mit der sie das Verhältnis von Mensch und Pflanze thematisiert. Während frühere Holzarbeiten, drei davon sind ausgestellt, deckend färbig bemalt sind, zeigen die aktuellen Arbeiten den transparenten, zartrosa Farbton Ballerina.

Bei den Frauen anzusetzen, das ist schon zu spät

„Ballerina ist nämlich die Farbe“ sagt Samsonow, „die am stärksten mit Mädchen assoziiert wird. Und die Figur des Mädchens steht im Zentrum meines Werkes, auch meiner philosophischen und der feministischen Arbeit. Der Feminismus muss nämlich bei den Mädchen beginnen. Bei den Frauen anzusetzen, das ist schon zu spät.“ Aber Ballerina hat auch eine visuelle Komponente. „Die Farbe lässt das wunderbare, rätselhafte Fleisch des Holzes besser erkennen, die Lebensspuren des Baumes.“

Ballerina drückt „das Gefühl aus, dass man als Mädchen noch nicht vollständig Frau ist und zwischen Pflanze und Blüte steht.“ Und warum zeigt Samsonow diesmal viele Klangskulpturen? „Mich interessiert sehr das Verhältnis zwischen Stimme und Frau. Wie oft erheben Frauen ihre Stimmen nicht? Und da hat sich für mich die Frage gestellt, ob meine Skulpturen nicht auch eine Stimme haben müssen.“

Zu sehen bis 16. Oktober.
www.samsonow.net
www.zeitkunstnoe.at