Erstellt am 03. November 2015, 06:22

von Michaela Fleck-Regenfelder

Ein Komiker im Exil. Vom Fortgehen und vom Wiederkommen von Karl Farkas, dem „G’scheiten“ unter Österreichs Komikern, erzählt eine sehr persönliche Schau in der St. Pöltner Landesbibliothek.

»Auch ich habe miserable Zeiten erlebt. [...] Aber das ist Vergangenheit, und meine Talente haben mich noch einmal gerettet«: Karl an Anny Farkas, anno 1945. Gewohnt haben die Farkas' auch in Niederösterreich, in einer Villa in Dörflein bei Edlach an der Rax, die Karl Farkas 1928 gekauft hat. Im Bild: Farkas um 1930  |  NOEN, Literaturarchiv NÖ

„Nichts konnte uns in unseren Gefühlen trennen, weder der Krieg noch die Nazis noch die Zeiten. Jetzt bleibt nur die Frage der Arbeitsmöglichkeit.“

Das schreibt ein verliebter Ehemann. Und ein vertriebener Komödiant. Aus New York ins tschechische Bøeznice. Dort haben seine Frau und sein Sohn den Zweiten Weltkrieg überlebt. Und in New York? Hat der Komödiant „Hauptrollen auf Englisch gespielt, einen Film in Hollywood und einen anderen in New York. Momentan habe ich eine Operette im Wintergarden Theater (Broadway) und sie ist ein Erfolg.“

Im August 1945 war das, als Karl Farkas seiner Anny den ersten Brief nach dem Krieg schreiben konnte. Da war der 1893 in Wien Geborene schon sieben Jahre lang im Exil. Am 17. März 1938, sieben Tage nach seiner letzten Vorstellung mit Fritz Grünbaum im Wiener Simpl, war er als Jude buchstäblich in letzter Sekunde vor der Gestapo geflohen. Erst über Brünn nach Paris, wo man ihn als „gefährlichen Ausländer“ kurzerhand internierte. Über Barcelona und Lissabon kam er im Jänner 1941 schließlich nach New York. Sein langjähriger Conférence-Partner Fritz Grünbaum war da schon zwei Wochen tot, gestorben im KZ Dachau.

Wie sich Karl Farkas im Exil mit Clubauftritten, Statistenrollen, Filmscripts und eisernem Durchhaltewillen über Wasser hielt, wie er 1946 wieder nach Österreich zurückkehrte, das Lachen „aus dem Keller holte“, das Simpl übernahm, in Radio und Fernsehen mit Ernst Waldbrunn g’scheit blödelte, wie er Zarah Leander nach Wien holte und mit Bruno Kreisky Geburtstagstelegramme austauschte – all das zeigt die von Katharina Strasser kuratierte und von Renate Stockreiter gestaltete Ausstellung, die Niederösterreichs Literaturarchiv in der St. Pöltner Landesbibliothek ausgerichtet hat.

Gut 70 Fotos, Manuskripte, persönliche Dokumente und liebevolle Briefe sind da zu sehen, alle aus dem erst 2009 bzw. 2014 vom Literaturarchiv des Landes übernommenen Teilnachlass von Karl Farkas aus dem Besitz des Sessler-Verlags. „So eine Ausstellung“, sagt die Literaturarchiv-Leiterin Gabriele Ecker, „gab es bisher noch nicht“. Auch keine detaillierte Aufarbeitung, wie sie in zwei Publikationen zur Schau erscheint. Wie würde Farkas gesagt haben? „Schau’n Sie sich das an!“