Erstellt am 15. Dezember 2015, 06:08

von Michaela Fleck-Regenfelder

Die Kunst des Sammelns. Was die EVN in den letzten 20 Jahren an junger, internationaler Kunst gesammelt hat, das zeigt die Kremser Kunsthalle erstmals in einer recht ungewöhnlichen Werkschau.

»Das ist das Wesen des Sammelns«: 22 Objekte, von Maurizio Cattelans Häschen mit den Löwenaugen bis zu Mark Dions Krokodil auf der Museumskiste, haben Kuratoren und EVN-Mitarbeiter für den Oberlichtsaal der Kremser Kunsthalle ausgesucht. Aufgebaut hat sie Künstler Markus Schinwald.  |  NOEN, Christian Redtenbacher

„Es war klar, dass wir nicht alles zeigen. Und dass wir keine thematische Ausstellung machen.“ Sagt die EVN-Kuratorin Heike Maier-Rieper. Schließlich füllt das, was Niederösterreichs Energieversorgung, die EVN, seit 1995 gesammelt hat, längst ein eigenes Depothaus. Und einen 440 Seiten starken und fast 1,2 Kilo schweren Werkband.

Vieles davon war weder in den beiden bisher ausgerichteten Sammlungsschauen im Belvedere und im MUMOK noch in Krems zu sehen. Gerade einmal zwei der über 300 Werke umfassenden Sammlung waren schon einmal in der Kunsthalle, eines von Ines Lombardi, eines von Pawel Althamer.

„Ein Sechstel“ der Sammlung ausgesucht

Jetzt, zum 20-jährigen Jubiläum der Sammlung – und gleichzeitig 20-jährigen Jubiläum der Kunsthalle – haben vier Kuratoren des EVN-Kunstrates und eine Kuratorin der Kunsthalle „ein Sechstel“ des Sammlungsbestandes ausgesucht. Und damit eine auch formal höchst spannende Werkschau gestaltet.

Das beginnt schon im Oberlichtsaal, für den der ebenfalls in der Sammlung vertretene Salzburger Maler, Fotograf und Videokünstler Markus Schinwald „eine wilde Sockellandschaft“ gebaut hat, auf der 22 speziell ausgesuchte Werke präsentiert werden.

Da hängen schwarze Eislaufschuhe mit Blumen im Schaft neben einer kleinen, bunten Zwirnmühle, da rollt ein stählerner Ball über der rostroten Tariftafel einer ehemaligen Kantine, da schauen ein kleiner, nackter Mann und ein goldbraunes Kaninchen mit raubtiergroßen Augen auf ein ausgebranntes Hochhaus-Modell.

Besser schauen lernen

„Wir wollen, dass die Leute besser schauen lernen“, erklärt Kunsthallen-Kuratorin Verena Gamper. Das gilt auch für den ersten Stock der Ausstellung, in dem man „fast alle“, genauer: 13 Videoarbeiten der Sammlung gegenüber gestellt hat. Zwischen grobblau bepinselten Böden und Wänden flimmern da zypriotische Regierungsdias, indische Tempelaffen, amerikanische Mondlandschaften und schwedische Horrorfilme vorüber, flankiert von intimen Menschenbildern, zersägten Holzaufzügen und silbrigen Weltraumobjekten.

„Now, at the latest“ heißt die sehr junge, sehr aktuelle und sehr sehenswerte Schau nach einem ihrer Werke. Zu sehen ist sie bis 21. Februar.