Erstellt am 14. Mai 2016, 08:04

von APA/Red

Bezirk Amstetten: Funde reichen bis zur Altsteinzeit zurück. Von "neuen Forschungsergebnissen von internationaler Bedeutung" berichtet Geoarchäologe Alexander Binsteiner beim Projekt "Steinzeit an der Enns".

Geoarchäologe Alexander Binsteiner hofft, dass das Projekt am Lehberg weitergeführt wird. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv
Fundstücke aus mehreren Privat- und Gemeindesammlungen, die in Haidershofen und Ernsthofen (Bezirk Amstetten) entdeckt wurden, datieren bis zur Altsteinzeit (Acheuléen) 500.000 bis 600.000 Jahre zurück. Einen Überblick gibt ein neuer Farbband.

Altsteinzeitliche Artefakte auf dem Lehberg bei Haidershofen lagern auf der Hochterrasse der sogenannten Günz-Eiszeit rund 80 Meter über dem heutigen Flussniveau, erklärte Binsteiner. Die dort entdeckten Faustkeiltypen zählen demnach zu den ältesten Formen in Europa. Eine einmalige Geländesituation habe auf den Schotterterrassenlagen der Enns Funde aus der Steinzeit konserviert.

Geräte aus Hornstein entdeckt

In Ernsthofen wurden Hunderte Geräte aus Hornstein in der typischen Herstellungsweise (Levallois-Technik) der Neandertaler gefunden. Das lasse auf ein Freilandlager schließen, das vor über 40.000 Jahren vermutlich von Jägern dort angelegt worden war, hielt Binsteiner fest. Über mehrere Jahrtausende lebten moderne Menschen (Homo sapiens) demnach auch an Donau und Enns nebeneinander, bis die Neandertaler verschwanden.

Aus einer jungsteinzeitlichen Befestigungsanlage der bayerischen Chamer Kultur in Haidershofen stammen laut dem Geoarchäologen Gefäßfragmente mit Verzierungen und Hunderte von geschliffenen Steinbeilen aus Serpentinit. Die Chamer gewannen das der Jade nahe verwandte Gestein aus den Schottern der Enns und verarbeiteten es direkt dort. Um 3000 v. Chr. bildeten sich Binsteiner zufolge in und um Haidershofen Werkstätten, die über den Eigenbedarf der ortsansässigen Bevölkerung hinaus produzierten und Handel mit ihren Beilen bis ins heutige Mühlviertel betrieben.

Neuer Bildband wird veröffentlicht

Aktuelle Ergebnisse werden nach Pfingsten in einem bebilderten Farbband in den Linzer Archäologischen Forschungen veröffentlicht. Das interdisziplinäre Forscherteam um den Geoarchäologen Binsteiner und den Linzer Stadtarchäologen Erwin Ruprechtsberger hofft laut der Aussendung, fossile Knochen der ausgestorbenen Menschenarten Homo erectus und Neandertaler in den Ablagerungen der Ennsterrassen zu finden.