Erstellt am 19. November 2015, 05:13

von Thomas Jorda

Brünner Kalkstein, barocke Formen. Gar nicht mager. Vom plumpen Schönheitsideal der mageren Modells hält sie wenig. Stattdessen punktet die Dame mit äußerst barocken Formen.

Die Venus (Bild) ist nicht nur weit fülliger als die - in den vergangenen Folgen beschriebene - Fanny vom Galgenberg, sondern auch deutlich jünger.  |  NOEN

Die Venus von Willendorf, eine der berühmtesten Frauengestalten, die dieses Land – von Niederösterreich konnte man zu ihrer Zeit noch nicht sprechen – hervorgebracht hat, ist eine der wichtigsten Venusfigurinen der Welt.

Viel jünger. Die Venus (Bild) ist nicht nur weit fülliger als die – in den vergangenen Folgen beschriebene – Fanny vom Galgenberg, sondern auch deutlich jünger. Gehört Fanny mit ihren 36.000 Jahren der archäologischen Kultur des Aurignacien an, ist die Venus erst knapp 30.000 Jahre alt und damit eine der bedeutendsten Vertreterinnen des Gravettien, der wichtigsten Leitkultur der mittleren Jungsteinzeit. Sie dauerte von 33.000 bis 25.000 vor Christus, ihre Spuren sind praktisch in ganz Europa zu finden.

Weit gereist. Die Dame wurde zwar in der Wachau gefunden, geschaffen wurde die elf Zentimeter hohe Figur aber aus Brünner Oolith (Eierstein). Der besteht aus unzähligen kleinen, durch Kalk oder Ton verkitteten Mineralkügelchen. Der Basis-Oolith der Venus stammt definitiv aus einem großen, freistehenden Kalkfelsen nahe dem tschechischen Brünn. Bemerkenswert, dass die Venus bisher der einzige Willendorfer Fund aus dem Stein ist.

Nächste Woche: Venus II und III.