Erstellt am 08. März 2016, 12:07

von Michaela Fleck-Regenfelder

Christine und der Krieg. Zum 80. Geburtstag von Christine Nöstlinger hat Filmemacherin Mirjam Unger deren Kindheitsroman aus der Nachkriegszeit ins Kino gebracht – NÖ-Premiere ist am Freitag.

Verfilmung von »Maikäfer flieg« (Christine Nöstlinger), Regie: Mirjam Unger  |  NOEN, Zita Gaier als Christine / Filmladen
Am Anfang ist es dunkel. Ein Kuckuck pfeift, eine Sirene heult. Dann sirrt die erste Bombe. Und die Namen im Vorspann bekommen Risse.

„Am Anfang sitzt man wie im Luftschutzkeller“, erklärt Regisseurin Mirjam Unger. Zwei Minuten später steht man in einem Trümmerfeld. Und schaut mit einem ernsten Mädchen mit kurzen Zöpfen und blutender Nase durch eine blaue Weihnachtskugel.

„Maikäfer flieg,
der Papa ist im Krieg,
die Mama ist im Pulverland,
Pulverland ist abgebrannt,
Maikäfer flieg!“
Christine in „Maikäfer flieg“

„Bei uns gibt’s keine Schlachten und keine Verträge, keine Nazis und keine Juden, sondern ganz normale Leute, die überleben wollen“, sagt Mirjam Unger. Und genau das hat der gebürtigen Klosterneuburgerin, die vor vier Jahren nach Kritzendorf gezogen ist und sich auch vor vier Jahren endgültig für das Filmemachen entschieden hat, an dem Buch so gefallen, das ihr 2012 in die Hände gefallen ist. „Maikäfer flieg“ hieß das. War von Christine Nöstlinger („Ich wollte unbedingt etwas von ihr verfilmen“). Und erzählt ein Stück Familiengeschichte, aus Sicht der neunjährigen Christine, am Ende des Krieges.

Vier Jahre hat Mirjam Unger gemeinsam mit Co-Autorin Sandra Bohle, Kamerafrau Eva Testor, Filmkomponistin Eva Jantschitsch und Produzentin Gabriele Kranzelbinder an ihrem zweiten Spielfilm gearbeitet. Mit Christine Nöstlinger in der Küche über ihre Familie geredet. Und mit Zita Gaier (Christine), Ursula Strauss (Mutter), Gerald Votava (Vater), Krista Stadler (Großmutter), Heinz Marecek (Großvater) oder Hilde Dalik (Erzengel) sieben Wochen in Südtirol, Wien und Niederösterreich gedreht – die „Schuttszenen“ am Anfang in einem der noch nicht renovierten Höfe des Stiftes Klosterneuburg („Das war für mich sehr schön!“).

Familienfilm von 9 bis 99

Das Ergebnis ist ein „Familienfilm von 9 bis 99“, mit bewundernswerten Frauen, berührenden Bildern, Mut machenden Aussichten („Für mich war wichtig: Ein Krieg ist beendbar!“) – und auch mit ein paar Maikäfern. „Die schwirren bei uns im Lusthaus herum“, meint Mirjam Unger. Und wünscht sich, dass die Schulen, die ins Kino gehen, bei „Maikäfer flieg“ das Handy weglegen: „Dann hab’ ich viel erreicht!“
Zu sehen ab 9. März im Cinema Paradiso in St. Pölten.