Erstellt am 11. Juli 2017, 02:42

von Thomas Jorda

„Da krieg ich Gänsehaut“. Die erste Saison des neuen Intendanten Michael Lakner und sein Regiedebüt in Baden: Am 14. Juli hat Franz Lehárs „Der Zarewitsch“ Premiere. Er findet ihn großartig.

Michael Lakner im sommerlichen Kurpark von Baden.  |  fotohofer

NÖN: Sie hetzen derzeit von einem Interview zum nächsten. Sind Sie so gut vernetzt?

Michael Lakner: Ich mache schon dreißig Jahre Theater. Und viele Leute sind neugierig, was sich der Lakner nach 14 Jahren Intendanz in Bad Ischl nun gerade für Baden überlegt hat.

Haben Sie sich in Baden denn schon eingewöhnt?

Lakner: Sehr gut. Ich habe nicht gedacht, dass es so schnell geht. Was ich besonders liebe, ist diese große Fußgängerzone, die alles bietet, und ich deshalb kein Auto benützen muss. Und die vielen Heurigen …

Und beide Theater in Gehweite.

Lakner: Das ist super, weil es immer meine Maxime gewesen, möglichst präsent zu sein, dort zu sein, wo ich gebraucht werde.

Wenn Sie Visionen für Baden hatten – konnten Sie die erfüllen?

Lakner: Vieles davon, zum Beispiel, dass wir jetzt einen Spielplan für das ganze Jahr haben und nicht nur für jeweils eine Saison. Und auch bei der Gestaltung des Programms konnte ich schon viele meiner Ideen umsetzen. Wie das ankommt, ist ein anderes Paar Schuhe.

Sie sind bei gewissen Leuten gleich auf Widerstand gestoßen.

Lakner: Da gab’s im Vorfeld Missverständnisse. Ich habe gesagt, dass ich eine neue Bühnen- und Bildersprache machen will, wegkommen möchte vom bombastischen Wahn der zugekleisterten Bühnenbilder, dann heißt das ja nicht, dass ich die Operettenwelt neu erfinde. Aber ich bevorzuge die Reduktion.

Sie geben mit dem „Zarewitsch“ in Baden Ihr Regiedebüt. Was dürfen wir uns da erwarten?

Lakner: Es wird ein Einheitsbühnenbild geben, das aber flexibel auf die Situation eingeht. Erst auf das enge Leben des Zarewitsch’, der in einem goldenen Käfig sitzt, dann geht der Raum immer mehr auf, weil sich auch sein Leben öffnet, und am Ende, als er gekrönt wird, schließt sich der Raum ganz.

Sie haben die Saison unter das Motto „Einzelgänger und Außenseiter“ gestellt. Braucht Theater ein Motto?

Lakner: Nein, das ist ein Anspruch an mich selbst. Ich finde es schön, das Theater bewusst als Instrument einzusetzen, um den Finger auf gesellschaftspolitische Wunden zu legen.

Machen Sie uns Appetit auf den „Zarewitsch“. Drei Punkte, warum man ihn unbedingt sehen und hören sollte?

Lakner: Erstens einmal finde ich das Werk als den musikalisch größten Wurf Lehárs, neben der „Zigeunerliebe“, die seine große Oper war. Zweitens ist diese Musik von großer Wahrhaftigkeit, die wunderbar mit der Authentizität des Stoffes, der ja eine historische Vorlage hat, zu verbinden ist. Und drittens, da krieg ich jedes Mal eine Gänsehaut, ist diese Operette ein tief religiöses Stück. Die Religiosität des Zarewitsch und seiner Sona, die reine Liebe zwischen den beiden, die im große Kontrast zu den anderen Figuren steht, bewegt mich tief.