Erstellt am 05. April 2016, 08:47

von Michaela Fleck-Regenfelder

Dee Dee Bridgewater: "Mache Musik, weil ich daran glaube". Dee Dee Bridgewater, Sängerin, Schauspielerin und Grammy-Gewinnerin aus Memphis, im Gespräch mit Michaela Fleck.

Dee Dee Bridgewater  |  NOEN, Higashino

NÖN: Gerade waren Sie, nach 2005 & 2013, zum dritten Mal zu Gast in St. Pölten – diesmal mit einem „Symphonic Evening“. Das klingt mehr nach Bruckner als nach Porter …
Bridgewater: Musik ist Musik. Und die Hochzeit zwischen Jazz und Klassik war schon immer gut! Es ist einfach natürlich! Ich habe für dieses Programm unter anderem Songs aus meiner CD „Dear Ella“ ausgesucht und Arrangements von Nummern, die ich schon in kleiner Besetzung gespielt habe – bearbeitet von Lalo Shifrin oder von Cecil Bridgewater, meinem ersten Mann.

Symphonisch war auch die Besetzung: großes Orchester inklusive Dirigent. Wie singt es sich da? Wie swingt es sich da? Und wozu braucht eine Jazz-Diva einen Dirigenten?
Den Dirigent braucht das Orchester. Ich könnte das nicht! Mit einem Orchester zu singen, war für mich immer eine große Freude. Und zum Swingen bringe ich es mit meiner Interpretation!

Was haben Ella Fitzgerald, Billie Holiday oder Abbey Lincoln, dass man sie auch heute noch hören und singen muss?
Das Material ist gut, das Material ist klassisch. Darum geht es. Und dafür braucht es keine wissenschaftliche Analyse.

Mit Ihrem Gesang haben Sie schon drei Grammys gewonnen, mit Ihrem Spiel einen Tony Award. Was kommt als Nächstes?
Es geht wirklich nicht darum, Preise zu gewinnen! Die, die ich habe, sind ein enormes Kompliment. Aber ich mache Musik, weil ich daran glaube. Und ich mache auch nur die Musik, an die ich glaube.

Produzentin und Plattenlabel-Chefin und UNO-Botschafterin sind Sie auch noch. Wie passt das alles unter einen Hut?
Manchmal stehe ich auf der Bühne, manchmal mache ich eine Aufnahme, manchmal fliege ich zu den Projekten, die ich unterstütze. Ich arbeite auch für eine Obdachlosen-Organisation in New York. Und wenn die mich brauchen, schreibe ich das in meinen Business-Kalender.

Was wollen Sie noch verwirklichen?
Ich möchte unbedingt mehr Spielen, mehr Filme drehen! Aber ich bin in meinen 60ern, ich bin auch unheimlich dankbar, dass ich auf der Bühne stehen und singen darf!