Erstellt am 10. August 2016, 06:03

von Thomas Jorda

Kingnapping nach Streit um die Fahne. Die Gefangennahme von König Richard Löwenherz sorgte für großen Wirbel.

Ruine der Burg Dürnstein.  |  NOEN

Stolzer Herrscher. Herzog Leopold V. scheint ein selbstbewusster Mann gewesen zu sein. Beim siegreichen Kampf um Akkon führte er die deutschen Kreuzfahrer an und steckte nach der Eroberung der Festung seine Fahne auf einen der Türme. Dasselbe hatten Frankreichs König Philipp II. August und Englands König Richard Löwenherz gemacht. Der fand Leopolds Handlungsweise übertrieben und ließ dessen Fahne hinunterwerfen. Immerhin war Leopold bloß Herzog gewesen.

Zorniger Herrscher. Leopold reiste erzürnt ab – und nahm Löwenherz bei dessen Rückreise nach England 1192 im Dorf Erdberg bei Wien gefangen, setzte ihn auf Burg Dürnstein in der Wachau fest, ließ ihn von den Kuenringern bewachen und forderte hohes Lösegeld. Das wurde zum Gesprächsthema Nummer eins in Europa und später von vielen Legenden umrahmt.

Reicher Herrscher. Eine davon könnte die Geschichte mit der heruntergeworfenen Fahne gewesen sein. Tatsächlich scheinen Kaiser Heinrich VI. und Frankreichs König Philipp II. August die Tat vorher verabredet zu haben. Jedenfalls lieferte Leopold den König an den Kaiser aus, kassierte einen hohen Anteil am Lösegeld (sechstausend Eimer Silber) – und wurde für die böse Tat von Papst Coelestin III. exkommuniziert.

Nächste Woche: Geld gut genützt.