Erstellt am 31. August 2016, 07:23

von Thomas Jorda

Leopold im Zentrum des Minnesangs. Gotik und Minnesang eroberten Österreich unter der Regentschaft des Babenberger-Herzogs Leopold VI.

Walther von der Vogelweide  |  NÖN, zVg

Die erste Gotik. Die Bedeutung des Babenberger-Herzogs Leopold VI., später „der Glorreiche“ genannt, bemisst sich nicht nur in politischen Dimensionen. Auch in Sachen Kunst errang seine Regentschaft große Strahlkraft. So erreichte zu seiner Zeit die Gotik erstmals Österreich. Die Capella Speciosa in Klosterneuburg, wo er eine gewisse Zeit residierte, wird als erstes gotisches Bauwerk im Donauraum angesehen. Nach deren Abbruch 1799 wurden Teile dieses grandiosen Bauwerks in die Franzensburg im Schlosspark von Laxenburg integriert.

Die Sänger der Minne. Doch nicht nur in der Baukunst war Leopold wichtig, auch in der Literatur. Sein Hof entwickelte sich zu einem Zentrum des Minnesangs. Walther von der Vogelweide (Bild), Neidhart von Reuental und Ulrich von Liechtenstein waren dort zugange. Und man vermutet hier auch den Ort der Entstehung des Nibelungenlieds, des wichtigsten und folgenreichsten Epos’ des Mittelalters.

Ketzerverfolgung. Aber Leopold hatte auch dunkle Seite. Wegen eines Machtkampfes mit Passau, der größten Diözese des Heiligen Römischen Reiches, initiierte er 1210 die erste belegte Ketzerverfolgung in Österreich.
Leopold VI. hatte, als er am 28. Juli 1230 im italienischen San Germano – gelegen zwischen Rom und Neapel – starb, sieben Kinder, darunter war nur ein männlicher Erbe. Der trat als Friedrich II. auch die Nachfolge an.

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