Erstellt am 27. Oktober 2015, 11:02

von Michaela Fleck-Regenfelder

Der „G’scheite“ im Exil. Warum Karl Farkas trotz Flucht aus dem Dritten Reich, Exil und späterer Heimkehr doch niemand hassen konnte, zeigt eine biografische Schau in St. Pöltens Landesbibliothek.

 |  NOEN, Literaturarchiv NÖ
Er war einer von Österreichs größten Kabarettisten. Und das schon lange, bevor er als Chef des Wiener Simpl weit über Österreichs Grenzen hinaus berühmt werden sollte. Da, 1950, hatte er allerdings schon ganz Anderes hinter sich.

Denn Karl Farkas, der 1893 in Wien geboren wurde, im Ersten Weltkrieg die Tapferkeitsmedaille bekam, mit 28 im Simpl als „Blitzdichter“ reüssierte, mit Fritz Grünbaum die Doppelconferénce etablierte und mit 33 am Wiener Bürgertheater spielte, war Jude. 1938 musste er vor den Nazis fliehen – sozusagen im letzten Moment. Drei Jahre dauerte seine Flucht, die ihn über Brünn, Paris, wo er als „gefährlicher Ausländer“ sogar interniert wurde, und Lissabon schließlich nach New York führte.

x  |  NOEN, Literaturarchiv NÖ


Dort hielt er sich, da er als Flüchtling keine Arbeitserlaubnis bekam, mit Auftritten in Exilanten-Clubs, als Scriptautor in Jazz-Filmen und als anonymer Schauspieler über Wasser. 1946 kehrte er nach Wien zurück und nahm seine Karriere im Simpl und in Radio und Fernsehen wieder auf. Gelebt hat Karl Farkas auch in Niederösterreich, wo er seit 1928 in Dörfl bei Edlach an der Rax ein Haus besaß.

All das, die Flucht, das Exil und die Heimkehr von einem, der viele zum Lachen brachte und trotz allem „nicht hassen konnte“, zeigt ab kommenden Dienstag eine literarische und biografische Schau in der NÖ Landesbibliothek im St. Pöltner Kulturbezirk. Für die haben Kuratorin Katharina Strasser und Gestalterin Renate Stockreiter Manuskripte, Fotos und Lebensdokumente zusammengetragen, alle aus dem Teilnachlass von Karl Farkas, der sich in der Sammlung der Dokumentationsstelle für Literatur in Niederösterreich befindet.

Zum Nachlesen hat die Literaturedition Niederösterreich begleitend und ergänzend zur Ausstellung auch eine zweibändige Publikation gestaltet. Titel: „Einer, der nicht hassen konnte. Karl Farkas – Emigration und Heimkehr“.

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