Erstellt am 05. April 2016, 08:17

von Walter Fahrnberger

„Der Österreicher ist tiefgründig“. Der deutsche Comedian Ingo Appelt vor seinem Ybbsiade-Auftritt über Humor, Toleranz und sein Programm.

Ingo Appelt (48) ist vor allem durch seine TV-Auftritte im Quatsch-Comedy-Klub auf Pro 7 bekannt. Am 14. April gastiert er mit seinem Programm »Besser... ist besser!« in Ybbs.  |  NOEN, Foto: P. Schaffrath

NÖN: Sie haben am 14. April bei der Ybbsiade einen Ihrer wenigen Österreich-Auftritte. War Ihnen die Stadt Ybbs davor schon ein Begriff?
Ingo Appelt: Ich kenne das Festival und die Stadt nicht, bin aber schon gespannt. Aber ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt rein darf, weil ich ja Ausländer bin und Österreich gerade die Grenzen dicht macht ... Im Ernst: Ich freue mich schon drauf und bin immer sehr gerne in Österreich, weil die Leute mit meinem Humor so lustig klarkommen.

Ihr Programm „Besser... ist besser!“ wird auch als „Männer-Verbesserungs-Comedy“ beschrieben. Sie versprechen dem Publikum, einen modernen Weg zu einem besseren Leben zu zeigen. Da muss man ja quasi in die Vorstellung gehen.
Es geht darum, die Männer zu erziehen. Männer haben gerne Oberwasser, sind gerne frech. Und ihnen fehlt dieser Erzieher. Auch bei der Flüchtlingsdebatte sind es immer die Männer, die Schwierigkeiten machen. Man muss den Männern andere Kulturen erklären, auch was Frauen betrifft. Da merkt man, die Männer sind zeitweise etwas rückständig, nicht integriert und passen in eine von weiblichen Bedürfnissen dominierte Zivilgesellschaft nicht rein.

Wie haben Sie dafür recherchiert?
Mein Programm hat tatsächlich sehr viele ernsthafte Hintergründe. Ich habe mich vorab mit Soziologen, Anthropologen, Männerforschern und Sexualwissenschaftlern unterhalten. Es war sehr interessant, wie stark die Klischees tatsächlich ausgeprägt sind und wie ungern man(n) das zugibt. Da ist es gut, wenn einer kommt, hinter die Kulissen guckt und sagt, es ist alles nicht so schlimm.

Ist dafür der schwarze Humor hilfreich, für den Sie bekannt sind?
Es braucht den schwarzen Humor, um die Leute aus der Reserve zu locken. Ich habe das gemerkt, als ich gemeinsam mit Conchita Wurst eine Gala gemacht habe. Danach habe ich einen enormen Shitstorm gekriegt. Ich bin erschrocken, wie weit die Homophobie verbreitet ist. Ich glaube, 90 Prozent der Männer sind schwulenfeindlich, der Rest ist schwul. Da kann man mit schwarzem Humor direkt an die Männer rangehen und sie provozieren.

Wo liegt für Sie die Grenze zwischen dem schwarzen Humor und gutem Geschmack?
Das kann man nicht sagen, weil es immer davon abhängig ist, wer wo etwas macht. Ich habe zum Beispiel auch schon in einem Hospiz gespielt. Die sterbenden Menschen haben den schwärzesten Humor, den man sich vorstellen kann. Die lachen sich über Krebs-Witze kaputt, das glaubt man nicht. Daher ist es immer auch eine Frage der Toleranz. Humor muss derjenige haben, der sich das anhört, und nicht der, der das raushaut.

Sie stehen seit über 25 Jahren auf der Bühne. Was macht für Sie den Beruf als Comedian aus?
Jeder Abend ist total anders, jedes Publikum ist anders und ich spiele auch das Programm jedes Mal anders. Deshalb ist es für mich auch immer noch spannend und ich lass’ mich jedes Mal wieder überraschen. Aber humorvoll umzugehen ist für mich das Wichtigste. Es soll nicht zu stark kopflastig sein. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, bei allen Schwierigkeiten des Lebens. Es ist immer schön, wenn man etwas zu lachen hat.

Welche österreichischen Kabarettisten schätzen Sie?
Josef Hader ist für mich so etwas wie der Stellvertreter des österreichischen Humors. Mit ihm bin ich früher im Quatsch-Comedy-Klub aufgetreten. Ich kenne noch Martin Puntigam oder Alf Poier – der ist frech. Sonst gibt es ja nicht so viele. Ihr habt ja keinen österreichischen Mario Barth. Was wir in Deutschland dafür haben, ist eine Art Proletenkultur in der Comedy wie zum Beispiel mit Cindy aus Marzahn.

Was ist der Unterschied zwischen dem österreichischen und dem deutschen Humor?
Der Österreicher hat es lieber mal direkt. Die Humorlage der Deutschen ist unentschlossen. Sie geben auch gerne einmal ein Bild von sich ab, wie sie nicht sind. Der Österreicher ist tiefgründig. Und er kommt auf einer Rangliste der Toleranz auf Platz eins vor Deutschland. Erst dann kommt die Schweiz. Dort sind die sie extrem konservativ, da darf man gar nicht böse sein. 

www.ybbsiade.at