Erstellt am 22. Dezember 2015, 19:23

von Michaela Fleck-Regenfelder und Ewald Baringer

Der Preis des Vertrauens. Zwei neue Kategorien und jede Menge Niederösterreicher stehen auf der Nominiertenliste zu Österreichs 6. Filmpreis. Die zugehörige Gala steigt am 20. Jänner in Grafenegg.

In vier Kategorien nominiert für den Österreichischen Filmpreis 2016: Stephan Richters Milieustudie »Einer von uns«. Im Bild: Andreas Lust als Polizist, der, wie 2009 in einem Kremser Supermarkt, einen jugendlichen Einbrecher hinterrücks erschießt.  |  NOEN, Foto: Filmladen

„Filmemachen ist Vertrauens- und Gemeinschaftsarbeit“, meinte Schauspielerin Ursula Strauss bei der Präsentation der Nominierungen für den Österreichischen Filmpreis 2016. Dieser wird am 20. Jänner verliehen, in einer von Regisseur Markus Schleinzer feierlich inszenierten Gala in Grafenegg.

Wer dort die Favoriten für die von Valie Export gestaltete Preisskulptur sind, das haben 336 Juroren aus 17 Spielfilmen, 16 Dokumentarfilmen und 21 Kurzfilmen ausgewählt. Und zwar in insgesamt 16 Kategorien – zwei mehr als bisher, für die beste weibliche und die beste männliche Nebenrolle.

Unter diesen finden sich auch gleich zwei Niederösterreicher: die Wahl-Artstettnerin Inge Maux (für „Jack“) und der Mödlinger Christopher Schärf (für „Einer von uns“). Zwei weitere Niederösterreicher sind für die besten Hauptrollen nominiert: die Neunkirchnerin Anna Posch (für „Chucks“) und der Wahl-Waldviertler Manuel Rubey (für „Gruber geht“).

„Wenn man mehr sät, kann man mehr ernten.“
Stefan Ruzowitzky

Bei den besten Filmen geht es gleich weiter, mit den Niederösterreichern. Der eine dreht sich um ein Kremser Drama und ist gleich in vier Kategorien nominiert („Einer von uns“). Beim zweiten führte ein Wiener Neustädter Regie (Wolfgang Murnberger bei „Das ewige Leben“, das fünfmal nominiert ist).

Der dritte wurde im Waldviertel gedreht („Ich seh Ich seh“, der für Österreichs Filmpreis gar in sechs Kategorien nominiert ist, auch wenn er es auf die Shortlist zum Auslands-Oscar nicht geschafft hat). Und noch ein nominierter Streifen wurde im Waldviertel gedreht: die Doku „Über die Jahre“.

Bei der Präsentation der Nominierungen im Wiener Ringturm war das Aufgebot an politischer Prominenz groß: Vizekanzler Reinhold Mitterlehner, Kunstminister Josef Ostermayer und Landeshauptmann Erwin Pröll würdigten die Bedeutung des heimischen Filmschaffens.

Ruzowitzky wünscht sich Studios und Infrastruktur

In Niederösterreich habe man gute Erfahrungen gemacht, so Pröll, der auf die Tätigkeit der Lower Austrian Film Commission (LAFC) hinwies und versicherte, die zuletzt auf 3,7 Millionen erhöhte Filmförderung auf diesem Level halten zu wollen.

Politik und ORF hätten nach Jahren struktureller Mängel nun „substanzielle Strukturbereinigung“ ermöglicht, freute sich Akademie-Obmann Josef Aichholzer. Alles paletti also auf der Leinwand? Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky, gemeinsam mit Ursula Strauss seit 2013 Präsident der Filmakademie, ist noch nicht ganz wunschlos: „Schade, dass wir keine Studios und nicht die Infrastruktur haben, um noch mehr Geld anzulocken und noch mehr hochqualifizierte Jobs zu schaffen.“