Erstellt am 14. September 2015, 09:47

von Thomas Jorda

Des Meisters Buch. Zum 77. Geburtstag wurde im nitsch museum in Mistelbach eine Monografie seines Gesamtwerks präsentiert.

Noch ein Sechstagesspiel: Hermann Nitsch.  |  NOEN, Erika Schmied

Eigentlich war er glücklich. Aber doch nicht so ganz.Er hatte zwar mit dem opulent gestalteten Buch „Hermann Nitsch – Das Gesamtkunstwerk des Orgien Mysterien Theaters“ eine „Riesenfreude“, aber es hätte, befand der Meister, durchaus tausend Seiten umfassen dürfen – statt der 968, die es in der vorliegenden, satte sechs Kilogramm schweren Fassung „nur“ hat. Trotzdem zeigt er sich von dem Werk überzeugt: „Wer das Buch studiert, wird etwas von meiner Arbeit verstehen.“

Selbst er, befand „der Nitsch“, wie ihn seine Entourage stets nennt, habe daraus gelernt. Und zwar: „Ein Künstler, der glaubt, er hat sein Werk vollendet, der kennt sich nicht. Ich habe gemerkt, was ich noch zu tun habe. Das wird die letzte Fassung des Sechs-Tage-Spiels in Prinzendorf in zwei Jahren sein.“ Was bisher geschah, seien eben doch nur Ansätze gewesen.

Nitsch blickt in die Zukunft

Hermann Nitsch, der 1938 in Wien geboren wurde, lebt und arbeitet im Weinviertler Schloss Prinzendorf. Seine Verdienste bei der Gründung des Wiener Aktionismus sind unbestritten, das als Gesamtkunstwerk konzipierte und geschaffene Orgien Mysterien Theater hat längst Weltruhm erlangt und ihm ein zweites Museum, neben Mistelbach – und war in Neapel – eingebracht, aber auch viele Feinde und Gegner eingetragen.

Nitsch malt, schüttet, schreibt, inszeniert, komponiert und blickt in die Zukunft. Einerseits plant er eben das finale Sechstagesspiel, hofft aber auch auf geeignete Nachfolger, die sich um sein Werk kümmern, werden, auch „wenn Freund Tod“ kommt.

„Hermann Nitsch – Das Gesamtkunstwerk des Orgien Mysterien Theaters“, Verlag Buchhandlung Walther König. 968 Seiten, 68 Euro.