Erstellt am 21. April 2016, 06:54

von Thomas Jorda

Die beiden Wurzeln von St. Pölten. Die Gründung des Klosters und die Suche nach dem Dorf Treisma

Uraltes Kloster: die Kirche von St. Hippolyt um 1400.  |  NOEN, Archiv

Bischofssitz. Im Jahr 1785 wurde St. Pölten anstelle von Wiener Neustadt Sitz eines Bischofs in Niederösterreich. Er bezog ein Kloster der Augustiner Eremiten, das auf eine im 17. Jahrhundert errichteten Anlage zurückging. An derselben Stelle war bereits im neunten Jahrhundert ein Benediktinerkloster auf den Fundamenten der lange verlassenen Römerstadt Aelium Cetium errichtet worden.

Reliquien aus Rom. Der Legende nach war das erste, bereits dem heiligen Hippolyt geweihte und von Rom mit dessen Reliquien versorgte Kloster eine Stiftung von zwei Brüdern, Adalbert und Ottokar. Viel wahrscheinlicher ist eine Gründung des bayerischen Klosters Tegernsee, nicht vor 791, nicht nach 850. Die erste Jahresangabe ergibt sich daraus, dass Karl der Große erst da den Feldzug begann, mit dem er die Awaren aus dem
Territorium vertreiben konnte.

Kloster und Siedlung. Spannend ist, dass im Bereich der heutigen Innenstadt St. Pöltens nicht nur das Kloster angesiedelt wurde, sondern gleich daneben auch ein Dorf namens Treisma, eine Gründung der Diözese Passau. Viel hat man bisher von beiden Anlagen nicht gefunden, aber in einer Schrift aus dem Jahr 976 ist die Siedlung Treisma beim Kloster des heiligen Hippolytus erwähnt – und damit werden beide Wurzeln der Stadt genannt. 

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