Erstellt am 01. Dezember 2015, 05:23

von Michaela Fleck-Regenfelder

Die Chronistin des Alltags. Marie Marcks, der 2014 verstorbenen deutschen "Meisterin der Karikatur" widmet das Kremser Karikaturmuseum seit Samstag eine respektvolle Retrospektive.

 |  NOEN, caricatura museum frankfurt © Marie Marcks, 2014

Eigentlich wollte sie noch zur Vernissage kommen. Mit 93, mit zweitägiger Anreise, im Auto ihrer Tochter. „Das“, sagt Gottfried Gusenbauer, „wäre wirklich eine Sensation gewesen!“

Doch dann starb Marie Marcks, ein Jahr zu früh. Die gemeinsam mit ihr geplante Ausstellung gibt’s trotzdem. Seit Samstag, im Kremser Karikaturmuseum, wo der Museumsdirektor die gebürtige Berlinerin „schon lange“ zeigen wollte. Denn: „Sie ist die Meisterin der Karikatur. Und es gibt keine Zeichnerin, die sich nicht auf sie bezieht.“ Auch die Münchner Comic-Zeichnerin Barbara Yelin, die „mit vielleicht zwölf“ Marie Marcks Autobiografie gelesen hat und ihr „den ersten und einzigen Fanbrief meines Lebens“ geschrieben hat.

Barbara Yelin hat im Karikaturmuseum eine kleine, feine Personale im ersten Stock eingerichtet. Marie Marcks hat man die große Winterschau gewidmet.

Vorbild für viele

Warum sie für viele ein Vorbild war? „Weil sie eine ganz andere Sicht auf die Dinge gehabt habt“, meint Gottfried Gusenbauer. Und das längst nicht nur, weil sie Frauen und ihre (Männer-)Probleme gezeichnet hat. „Eines ihrer Hauptthemen war die Freiheit.“ Die hängt im Erdgeschoß des eben erst barrierefrei gemachten Museums auch in dicken Großbuchstaben allein an der lila Wand.

Rundherum tummeln sich Berliner, Amerikaner, Pazifisten und Militaristen auf kleinteiligen, sorgfältigen, manchmal makaberen, immer komischen Tuschebildern. Da fliegen Pferde, rollen Kanonen, fahren Heißluftballons und marschieren Zwerge. Da winken Atommeiler, schreien Kinderwägen und schnarchen Väter. Da steht die Künstlerin selbst als bronzene „Göttin“ im Museumsgarten und bringt mit 31 Jahren und fünf Kindern schon ihre viel gelesene Autobiografie heraus.

Über 70 Originale aus fast 50 Jahren hat Gottfried Gusenbauer vor allem aus Frankfurt und Hannover für die erste, große Retrospektive in Krems zusammengetragen. Dazu Fotos, Texte, Magazine, wie alte „Spiegel“-Ausgaben, einen Film und eine Vitrine voller Bücher. „Das ist eine geballte Ladung!“ Zu sehen bis 14. Februar.