Erstellt am 18. Mai 2016, 08:04

von Thomas Jorda

eine Klangwolke. Rösner beschallt sie Freitag das Land mit Beethovens Neunter.

In Wien geboren, in Baden die Karriere begonnen, lebt in Bern und ist auf der ganzen Welt daheim: Thomas Rösner.  |  NOEN, N. Horowitz

NÖN: Sie haben vor zwanzig Jahren die Sinfonietta Baden gegründet. Gibt’s nicht schon genug Orchester?
Rösner: Es gibt genug. Wir haben uns diese Frage aber damals nicht gestellt. Da war eine Gruppe Gleichaltriger, die mit sehr viel Enthusiasmus professionell Musik machen wollte. Ich glaube, so etwas geht nur, wenn man sehr jung ist und, ohne viel zu fragen, ein Risiko eingeht. Wir haben es gemacht und hatte einen Riesenerfolg.

Sie waren zu Beginn der künstlerische Leiter. Wie wird man so jung Dirigent?
Rösner: Musik war schon früh sehr zentral für mich. Mit vierzehn Jahren bin ich eingeladen worden, eine Kindersymphonie einzustudieren. Da ist endgültig die Entscheidung zwischen Klavier und Taktstock gefallen.

Die Sinfonietta war all die zwanzig Jahre präsent …
Rösner: Tatsächlich hat sich viel verändert. Nach zehn Jahren habe ich die Leitung des Orchesters in andere Hände gelegt. Und die Sinfonietta spielt längst nicht nur in Baden bei Wien, sondern ist zum Beispiel seit vielen Jahren das Festivalorchester der Oper Klosterneuburg. Aber wir haben natürlich einen starken Baden-Bezug und tragen den Namen in die ganze Welt. Auch wenn die Förderung seitens der Stadt praktisch nicht existent ist.

Zum Jubiläum der Sinfonietta machen Sie aus Beethovens Neunter eine Klangwolke …
Rösner: Beethoven war für mich immer ein zentraler Komponist. Wer gut Beethoven spielt, kann alles gut spielen. Seine Musik verzeiht nichts, keine Ungenauigkeiten, keine emotionalen Schwächen. Die Musik ist so perfekt geschrieben, dass sie perfekte Ausführung verlangt. Durch die Dimension der Klangwolke machen wir uns ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk. Vor allem durch den humanitären Ansatz von Musik und Text. Dieses Stück wurde nicht per Zufall zur Europahymne erwählt. Und das ist mir gerade jetzt besonders wichtig.


Klangwolke

Beethovens Neunte, aufgeführt von der Sinfonietta Baden im Casino der Stadt, ist am 20. Mai ab 20.04 Uhr live im ORF-NÖ zu hören.
Alle Musikfreunde sind gebeten, Radios ins Fenster zu stellen und eine Beethoven-Klangwolke zu erzeugen.
Wer Lust hat mitzusingen, kann das überall machen.
Im Kurpark von Baden gibt’s dazu einen Mega-Chor.

www.sinfoniettabaden.at