Erstellt am 19. April 2016, 05:54

von Thomas Jorda

„Das ist wie ein Stich ins Herz!“. Karlheinz Essl über sein Kunstmuseum in Klosterneuburg, das er am 30. Juni schließen muss.

Karlheinz Essl: »Sammlung war nie unser Besitz!«  |  NOEN, Erich Marschik

NÖN: Wie nahe geht Ihnen das Ende Ihres Museums?

Essl: Mir geht es jetzt sehr gut, auch wenn ich zur Kenntnis nehmen musste, das der Bund den Drittel anteil der notwendigen Ausstellungskosten nicht leisten wollte. Die anderen beiden Drittel hätten das Land und ich übernommen. Aber der Bund hat gemeint, er sehe keine Notwendigkeit für das Museum. Das war für mich lange sehr schwierig.

Eine schmerzhafte Situation?

Essl: Ja, auch schmerzhaft. Aber wir sind religiöse Menschen und sehen, dass wir mit Gottes Hilfe etwas schaffen durften. Wir haben mit all unserer Kraft die Sammlung, die fünfzig Jahre österreichische Kunstgeschichte abbildet, zusammengetragen. Und sie dabei nie als Besitz gesehen.

Die Sammlung bleibt aber.

Essl: Ja, die löst sich nicht in Luft auf und wird immer unsere Signatur tragen. Meine Frau und ich haben das Museum siebzehn Jahre lang mit eigenen Mitteln betrieben. Und haben die Sammlung gezeigt, weil wir mit ihr auch eine große Verantwortung hatten.

Sie haben auch intensiv Kunstvermittlung betrieben.

Essl: Das war meiner Frau und mir immer sehr wichtig. Wie haben Hunderttausende Menschen mit der Gegenwartskunst in Berührung gebracht. Deshalb: Es schmerzt mich, aber wir haben jetzt einen gewissen Abstand und die Gewissheit, dass die Sammlung weiterbesteht und in der ganzen Welt gezeigt wird.

Das Haus wird geschlossen …

Essl: Ja, obwohl es eine Architekturikone ist, eines der schönsten Museen der Welt. Darum ist es schade, dass die Wiener Museen, die Teile der Sammlung übernehmen wollen, gar nicht die Fläche dafür haben. Wir hätten die schönsten Ausstellungsräume, ganz nahe bei Wien.

Was wünschen Sie sich?

Essl: Ich wünsche mir, dass die Werke gezeigt werden, wo immer das auch ist. Ich jedenfalls schließe den Ausstellungsbetrieb am 30 Juni. Das ist traurig genug. Und dass ich vierzig hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freisetzen muss, ist wie ein Stich ins Herz!