Erstellt am 19. Januar 2016, 06:43

von Michaela Fleck-Regenfelder

Katzen, Gauner und andere Dämonen. In ihrer 28. Saison spielen Peter und Renate Loidolt heuer Williams, Nestroy, Schnitzler – und einen frisch dramatisierten Doderer.

Sechs der gut 17 Personen, die ab 4. Juli in Nicolaus Haggs eigens für Reichenau geschriebener Bühnenfassung mit dem Titel »Doderers Dämonen« auf der Bühne stehen: Julia Stemberger, Peter Matic, David Oberkogler, Joseph Lorenz und Johanna Arrouas (von links).  |  NOEN, Festspiele Reichenau /Dimov

„Eine Herausforderung“ ist es für das Intendanten-Paar noch immer – auch wenn Peter Loidolt sich „schon beim Zählen irrt“ und Renate Loidolt auch in der 28. Saison schon zweimal „ausverkauft“ auf ihren Spielplan geschrieben hat, und das noch bevor das neue Programm überhaupt online war.

Aber: So viele prominente Namen wie die Festspiele Reichenau hat eben sonst keiner. So viele Termine auch nicht. „Etwa 120 Vorstellungen“ will man heuer zwischen 1. Juli und 4. August spielen. Darunter drei Premieren. Und eine Uraufführung. Für die hat man sich wieder Schauspieler und Autor Nicolaus Hagg an den Schreibtisch geholt. Und sieben Jahre nach der „Strudlhofstiege“, damals noch im Südbahnhotel, den zweiten Roman von Heimito von Doderer vorgenommen: „Die Dämonen“.

Geschichten vom Krieg und von der Liebe

Die sind zwar „ein literarisches Monstrum“, so Hagg, und „vollkommen unmöglich zu dramatisieren“. Für Reichenau hat man es doch versucht und aus 147 Figuren auf 1.300 Romanseiten 17 gemacht. Eine davon, den Sektionsrat Geyrenhoff, wird unter der Regie von Hermann Beil Joseph Lorenz spielen, eine andere, Mary K., Julia Stemberger. Premiere ist am 4. Juli im Neuen Spielraum.

Zwei Tage vorher feiert einer Premiere, der im Gegensatz zu Doderer nie in Reichenau war: Tennessee Williams. Auch mit Musik will Regisseurin Beverly Blankenship, die 1992 das erste Mal in Reichenau inszeniert hat, die Südstaaten-Stimmung und die „dunklen Geheimnisse“ der „Katze auf dem heißen Blechdach“ in den Großen Saal bringen. In der Rolle der Maggie: Stefanie Dvorak, die 2013 in Reichenau die „Bovary“ gab.

Ein anderer Theater-Star, über den sich Peter Loidolt freut, „dass wir ihn heuer wiederhaben“, ist Miguel Herz-Kestranek. Er gibt im Neuen Spielraum Johann Nestroys Nebel, den 1993 Robert Meyer schon einmal in Reichenau gespielt hat. „Das ist wahrscheinlich der einzige Intellektuelle mit Humor“, so Herz-Kestranek“, und die „einzige Hauptfigur, die ein Gauner ist“. Premiere der „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ ist am 5. Juli.

Und ab 3. Juli gibt’s in Reichenau noch mehr Liebesgeschichten, und zwar in Arthur Schnitzlers „Liebelei“. Reichenau-Star Regina Fritsch hat diese als Regisseurin mit Tanz und Musik ausgestattet, mit einem neuen Anfang und einer neuen Zeit („Ich lass’ es 1913 spielen“). „Wir haben uns bemüht, einen Schnitzler für junge Menschen zu machen“, erklärt Renate Loidolt. Auf der Besetzungsliste: Maria Schuchter, Florian Graf oder Alina Fritsch als Christine.

Neu in Reichenau: Stefan Zweigs „Brennendes Geheimnis“ als szenische Lesung mit Joseph Lorenz und Chris Pichler (Konzept: Renate Loidolt).

www.festspiele-reichenau.com