Erstellt am 12. April 2016, 05:14

von Michaela Fleck-Regenfelder

Das Spiel ums Geld. „WINWIN“ heißt der zweite Kinofilm des Pielachtalers Daniel Hoesl. Der ist eine eiskalte Satire auf die Welt der Finanzhaie. Und feiert am 19. April NÖ-Premiere.

Wegschauen? Nein, mitspielen! Der gebürtige Neunkirchner Christoph Dostal als Nicolas Lachmann in Daniel Hoesls »WINWIN«.  |  NOEN, Stadtkino Filmverleih

Sie tragen weiße Hemden und dunkle Anzüge. Sie lächeln kalt und lügen laut. Sie spielen die Investoren. Und zocken sogar Ministerinnen ab.

Denn: „In der Finanzwirtschaft befinden wir uns gewissermaßen im Spielcasino.“ Sagt Daniel Hoesl. Und hat sich für sein jüngstes Filmprojekt eine ganz spezielle Kulisse gesucht: das Haifischbecken der Finanztransaktionen. Dort lässt er seine „Investoren im falschen Gewand“ nach großen Fischen angeln. Während die kleinen vom großen Gewinn träumen.

Das wirkt zwar dank weißer Möbel, mahagonifarbener Wände, surrender Segways und sparsamer Musik streng stilisiert. Und hat trotzdem etwas von einer messerscharfen Dokumentation. Schließlich hat der 34-jährige Filmemacher aus Loich im Pielachtal, der Regieassistent bei Ulrich Seidl war, für seinen zweiten Langfilm Superreiche interviewt. Und „Reden aus YouTube abgeschrieben“.

Film mit nur 200.000 Euro gemacht

Daraus sei dann erst das Drehbuch entstanden – ein ungewöhnlicher Arbeitsprozess, für dessen Realisierung Hoesl vor einigen Jahren auch das Kollektiv European Film Conspiracy gegründet hat. „Das ist sicher auch ein Grund, warum wir so wenig Geld bekommen. Wir haben diesen Film mit gerade einmal 200.000 Euro gemacht.“ Und mit ein paar wenigen Fördergebern, darunter das Land Niederösterreich.

Dort hat Daniel Hoesl auch Einiges von „WINWIN“ gedreht, am Flughafen Schwechat etwa, die Szenen mit „unserem Privatjet, der gehört einem Serben, der jetzt Österreicher ist“. Oder die Szenen im Wald, am Stausee in Ottenstein. Oder die Szenen in der Bibliothek, in einer Bankervilla im Wienerwald.

Darsteller aus Niederösterreich

Auch einer seiner vier Hauptdarsteller kommt aus Niederösterreich – der in Neunkirchen geborene und heute in Los Angeles lebende Schauspieler, Tänzer und Kabarettist Christoph Dostal („Er ist erst kurz vor Drehstart an Bord gegangen. Wir waren froh, dass wir ihn einfliegen konnten. Und er passt perfekt!“). Und einen Polizisten, der Beweise sucht, keine findet und dabei einen Schlüsselsatz sagt, nämlich: „Gegen Nichts ist nichts auszusetzen“, spielt der St. Pöltener Alexander Kuchar.

Eine „Satire“ ist „WINWIN“, das am Rotterdamer Filmfestival Weltpremiere feierte und bei der Grazer Diagonale die Preise für die Beste Kamera und das Beste Szenenbild abräumte, ein Film, „der uns auch einen Spiegel vorhält“.

Wer dabei die Gewinner sind? „Wer verliert, ist einfacher zu erkennen. Weil die wirklichen Gewinner ja immer offshore gebracht werden“, resümiert Daniel Hoesl. „Wir sitzen zwar alle mit am Casinotisch. Aber wir sind nur der Spielball. Wir rollen nur!“

Niederösterreich-Premiere von „WINWIN“ ist am 19. April, 20 Uhr, im Cinema Paradiso in St. Pölten.