Update am 17. August 2016, 09:19

von Anita Kiefer

Parov Stelar: „Bei Heimspielen sind wir nervöser“. Parov Stelar alias Marcus Füreder ist einer von 120 Acts auf acht Bühnen in St. Pölten.

Parov Stelar tritt am 19. August um 23.30 Uhr auf der Space Stage in St. Pölten auf. Dass es mit der Musik nicht klappen würde, daran hat Marcus Füreder im Lauf seiner Karriere keine Gedanken verschwendet: „Ich bin der Überzeugung: Die Menschen, die beruflichen Erfolg haben, die zweifeln nicht daran.“  |  NOEN, Jan Kohlrusch

NÖN: Du bist rund um den Globus auf Auftritten unterwegs. Ist es für dich da noch spannend, in der Nähe deiner Heimat Oberösterreich am Frequency aufzutreten?
Marcus Füreder: Das ist umso spannender! Du wirst nie so kritisch betrachtet wie daheim. Und jeder wills seiner Mama und seinem Papa ja beweisen. Bei Heimspielen sind wir meistens nervöser, als wenn wir auswärts auftreten. Dort hat man die nötige Distanz.

Ihr wart kürzlich in allen Medien, weil ihr 18.000 Euro Vergnügungssteuer-Nachzahlung für ein Konzert leisten müsst. Der Grund: Die Besucher haben zu viel getanzt, weswegen das Event nachträglich zu einer Tanzveranstaltung gemacht wurde. Was sagst du dazu?
Prinzipiell finde ich’s ja fast wieder lustig. Wir waren auf Tour, deswegen hab’ ich das nur halb mitbekommen. Aber ich fänd’s schon seltsam, in einem emotionalen Beruf wie meinem sagen zu müssen: Wir spielen jetzt weniger ausgelassen, damit die Leute nicht tanzen. Ich hoffe, dass dadurch einiges in Bewegung gekommen ist und es gesetzliche Änderungen gibt – das ist ja nicht mehr zeitgemäß.

Du produzierst Alben ja fast am laufenden Band, pro Jahr erscheint durchschnittlich eines. Wie schaffst du das?
Es schaut mehr aus, als es ist. In den ersten Jahren habe ich sehr viele Alben herausgebracht, das Album heuer aber war ein Livealbum. Das nächste Studioalbum wird nächstes Jahr herauskommen. Ich habe mir da bewusst Zeit gelassen.

Verrätst du schon, in welche Richtung es beim nächsten Album gehen wird?
Es wird fröhlicher und bunter als „The Demon Diaries“. Wenn ich mir das jetzt anhöre, dann ist das schon düster. Das hat mir auch viel Kritik eingebracht. Aber es war zu der Zeit einfach so.

"Es ist eigentlich den ganzen Tag Musik bei uns"

Marcus Füreder

Woher nimmst du die Energie für so viel Output?
Ich empfinde es nicht so, dass ich so viel Energie dafür brauche. Ich brauche das – man hört ja auch nicht auf zu atmen.

Deine Frau ist ja auch Musikerin, ihr habt auch einen gemeinsamen Sohn. Wie viel Musik bekommt er daheim bei euch mit?
Es ist eigentlich den ganzen Tag Musik bei uns. Er wächst da ganz selbstverständlich mit rein.

Trotzdem hast du in einem Interview mal gesagt, er soll lieber nicht Musiker werden. Warum?
Weil ich weiß, was ich die letzten 10 Jahre gemacht habe. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie hart das Geschäft ist. Und dass man sich ständig fragt – bringe ich was Neues zusammen? Dieses berühmte weiße Blatt Papier.

Hat die Geburt eures Sohnes auch dein Leben als Musiker verändert?
Auf jeden Fall hat sich das was verändert. Ich bin früher viel mit meiner Frau gereist, da waren wir oft vier Wochen am Stück unterwegs, und da war Party. Wir waren ja nur uns gegenüber verpflichtet. Und dann ist da so ein kleines, unschuldiges Wesen, da muss man das Ego dann schon ziemlich zurückschrauben. Ich versuche jetzt die Touren auf Blöcke zu bündeln, um dann länger am Stück wieder daheim zu sein.

Gerade weil du so viel unterwegs bist: Bereiten dir die aktuellen Meldungen zu Anschlägen bei Großereignissen Sorgen?
Massiv, ganz klar. Die Entwicklungen, die man da aktuell spüren kann, sind sehr besorgniserregend. Zwei Tage, bevor das in Belgien passiert ist, haben wir dort gespielt. Man macht sich schon Gedanken. Aber das ist mein Job. Beim Anschlag in Nizza sind wir gerade über die französische Grenze gefahren, als wir davon erfahren haben. Wir hätten einen Tag später genau da spielen sollen, wo der Anschlag war. Das ist dann natürlich abgesagt worden.

"Mir war lange Zeit nicht klar, was ich machen soll"

Marcus Füreder

Emotional ist das also zunehmend ein Begleiter?
Nicht nur emotional. Wir spüren es auch bei den Auftritten durch die Sicherheitsvorkehrungen.

Du hast ja in Linz an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung studiert. Hattest du eigentlich einen Plan B, falls es mit der Musik nicht geklappt hätte?
Nein, nie. Ich bin der festen Überzeugung: Die Menschen, die beruflichen Erfolg haben, die zweifeln nicht daran. Für mich war das also nie eine Frage. Die habe ich mir eher sehr viel später, rückblickend gestellt. Denn es ging bei mir ja erst relativ spät los, so mit 30. Ich habe mich erst vor einigen Jahren gefragt: „was hättest du eigentlich gemacht, wenn das Ding nicht funktioniert hätte?“

War also schon immer klar, dass es Musik werden soll?
Nein, mir war es lange Zeit nicht klar, was ich machen will. Ich habe lange an einer sportlichen Karriere gearbeitet. Das hat sich mit 16 nach der ersten Party dann aber auch erledigt gehabt. Ich bin dann auch draufgekommen, dass es bei den Mädls besser ankommt, wenn man am DJ-Pult steht als mit dem Tennis-Bag daherkommt.

Produzierst du eigentlich lieber, oder stehst du lieber auf der Bühne?
Es ist wahrscheinlich eine Mischung aus beidem – und das ist wahrscheinlich auch die langweiligere Antwort. Ich liebe es, allein im Studio zu stehen, aber ich liebe auch die Auftritte. Was natürlich schwierig ist für mich, das ist dieses Zuhause spüren. Das ist wie bei Zirkuskindern, die sind ja auch ständig unterwegs. Wenn du das einmal warst, bleibst du es auch. Aber ich höre ja eigentlich seit fünf Jahren auf.

Das heißt, ein Ende ist nicht in Sicht?
Ich habe schon darüber nachgedacht. Aber nach vier Wochen Pause fängts dann auch schon an dass ich mir denke – ich muss raus.

Wie entspannst du? Im Urlaub, beim Reisen, mit der Family?
Ich entspanne ja auch, wenn ich im Studio stehe. Aber es ist schon die Family. Wir packen dann unseren Sohn ein und sind viel draußen. Ich mache auch wieder viel Sport in letzter Zeit. Wenn du nicht fit bist, packst du das da oben auf der Bühne ja nicht. Es ist das ganz normale Leben. Es ist ein irres Gefühl, vier Tage auf der Bühne zu stehen und zu wissen dass das etwas ist, das nicht viele erleben dürfen. Aber man freut sich dann auch wieder auf ganz banale Dinge, aufs Rasenmähen zum Beispiel. Das braucht man auch, um in der Realität zu bleiben. Das Tourleben hat mit Realität ja nicht viel zu tun. Da gibt es für alles jemanden, der das für dich tut.