Erstellt am 11. Mai 2016, 06:54

von Thomas Jorda

Geburtsstunde des Namens Österreich. Nicht was, sondern wie. Die Handschrift, die alles auf der dünnen Tierhaut festgehalten hat, wirkt dominant und klar, sonst beeindruckt das Pergament kaum durch äußerliche Schönheit.

Ostarrichi-Urkunde, selten öffentlich zu bewundern.  |  NOEN, BayGe

Nicht was, sondern wie. Die Handschrift, die alles auf der dünnen Tierhaut festgehalten hat, wirkt dominant und klar, sonst beeindruckt das Pergament kaum durch äußerliche Schönheit. Aber nicht wie, sondern was geschrieben wurde, macht es so bemerkenswert. Es wurde am 1. November 996 ausgestellt, zwanzig Jahre nach dem Beginn der Herrschaft des Babenbergers Luitpold, von 976 bis 994 Markgraf in Österreich.

In Neuhofen fing alles an. Kaiser Otto III. aus dem Haus der Ottonen (980 bis 1002) übertrug in dieser Urkunde dem Bischof Gottschalk von Freising (gestorben 1005) den Ort Nuuanhova (Neuhofen an der Ybbs) und dreißig in der Umgebung liegende königliche Hufen (eine Fläche von rund 220 Hektar) „in der Gegend, die in der Volkssprache Ostarrîchi heißt“.

Erstmals verwendet. Mit diesem althochdeutschen Wort übersetzte der Schreiber der Urkunde die lateinische Wendung Regio orientalis. Die erstmalige Verwendung des Namens gilt als Geburtsstunde des Begriffes Österreich, aber nicht als Geburtsurkunde des Landes, wie oft behauptet wird. Das Reich der Babenberger gab’s schon vor der Namensnennung. Die Urkunde selbst liegt nicht in Österreich, sondern im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München.

Nächste Woche: erste Babenberger