Erstellt am 25. April 2017, 02:17

von Michaela Fleck-Regenfelder

Geburtstag in der Wunderkammer. Zirkus & Tanz, Kuba & China, Bernstein & Mahler spielt das Festspielhaus 2017/2018. Und gefeiert wird auch.

Schnurrbart, Strapse, Rollerskates: „Irrwitzig“ ist „Die schöne Helena“ aus Berlin, die in St. Pölten am 23. & 24. September die neue Festspielhaussaison eröffnet.  |  Iko Freese/drama-berlin.de

„Eine Wunderkammer ist es für die Intendantin. Ein „Zirkuszelt“ war es für den Architekten. „Wunderschön“ ist es für beide. Auch noch 20 Jahre nach seiner Eröffnung.

Denn: St. Pöltens Festspielhaus feiert heuer Geburtstag. Der war zwar genau genommen schon – und zwar am 1. März, da spielte Niederösterreichs Tonkünstlerorchester im Jahr 1997 seine erste Ouvertüre im Großen Saal. Gefeiert wird aber noch länger. Auch in der nächsten, mittlerweile fünften Saison von Brigitte Fürle im von Klaus Kada geplanten „Eisberg“ im St. Pöltner Regierungsviertel.

Für die hat man dem 180 Seiten starken Programmheft elegantes Silbergrau angezogen. Hat einen ebenso persönlichen wie (selbst-) ironischen Streifzug durch das Aufsehen erregende Haus vorangestellt. Und hat gleich zum Saisonstart ein Spektakel eingeladen, bei dem „bis zum Wimpernaufschlag alles stimmt“: Barry Koskys Komische Oper Berlin. Die war 2014 schon mit ihrer extravaganten „Zauberflöte“ da. Und kommt am 23. und 24. September wieder, mit Offenbachs „Schöner Helena“ und NÖs Tonkünstlern im Orchestergraben.

„Ich hab’ immer wieder Respekt vor diesem Haus, dass es immer noch funktioniert!“ 
Festspielhaus-Architekt Klaus Kada

Auf der Bühne sitzen die Tonkünstler – „die sind nicht nur das Herzstück, die sind so etwas wie das Rückgrat des Hauses“, so Brigitte Fürle – zwischen September und Juni dreimal im Zyklus „Plugged In“ und zwölfmal im Abo, und das vor allem mit Leonard Bernstein, aber auch mit Messiaen und Mahler auf den Pulten.

Von Taiwan bis Johannesburg, von London bis China und von San Francisco bis Berlin kommen die tanzenden Gäste der neuen Saison. Und: aus Kuba, wozu man gleich noch ein paar World-Music-All-Stars und Star-Bariton Erwin Schrott eingeladen hat. Aus Linz kommt die nächstjährige Artistin in Residence, Tänzerin und Kompanieleiterin Silke Grabinger. Und aus Kanada und Graz kommen die Zirkusse, die „mehr ein Haus als ein Zelt brauchen“.

Dazu gibt’s noch feine Musik von Tanita Tikaram bis Lisa Simone und von Alma bis BartolomeyBittmann. Dazu gibt’s „vier Tage Ausnahmezustand“ bei der neunten Auflage des Jugendklubs. Und dazu gibt’s die dritte Kooperation mit dem Wiener ImpulsTanz.

Und vor alldem wird auch noch gefeiert. Und zwar nach dem Saisonabschluss am 9. Juni, wenn der New Yorker Fotokünstler David Michalek auf der Glasfassade die Tänzer in Slowmotion aufmarschieren lässt, wenn „Burning Man“-DJ The Scumfrog die Turntables auf laut dreht und der ganze Vorplatz zur Lounge wird. Motto: „Sind im Garten.“

www.festspielhaus.at