Erstellt am 12. Oktober 2015, 11:37

von Thomas Jorda

Gleich zwei musikalische Leckerbissen. Doppelt gemoppelt ist nicht immer die beste Lösung. In Baden bei Wien wird der kommende Samstag zu einer echten Zerreißprobe unter Kunstfreunden. Wer is' stärka, Lehár oder Gulda?

»Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt?« fragen sich im Stadttheater Baden Sebastian Reinthaller als Prinz Sou Chong und Monika Rebholz als Lisa.  |  NOEN, Lukas Beck, Christian Husar
Der Start in die Wintersaison verschlägt das Publikum des Stadttheaters Baden am 17. Oktober, 19.30 Uhr in den Fernen Osten, genauer gesagt nach China in jenen Tagen, als es noch ein Kaiserreich war. Gegeben wird Franz Lehárs Meisterwerk „Das Land des Lächelns“, eine Romantische Operette in drei Akten nach Viktor Léon von Ludwig Herzer und Fritz Löhner.

Die Handlung ist rasch erzählt: Eine Wiener Diplomatentochter verliebt sich in einen asiatischen Prinzen. Doch die rosarote Brille der Frischvermählten täuscht über die Unvereinbarkeit von Traditionen und Gewohnheiten hinweg, und wenn auch noch Familienehre und Staatsräson ins Spiel kommen, kann es sogar sein, dass seliges Liebesglück in gefährlicher Dramatik mündet.

Die wohl bekannteste Arie aus diesem Stück ist „Dein ist mein ganzes Herz“, die unter anderem durch die Interpretation von Richard Tauber weltberühmt wurde. Aber auch Melodien wie „Immer nur lächeln“, „Bei einem Tee à deux“, „Von Apfelblüten einen Kranz“ und „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt?“ machen „Das Land des Lächelns“ zu einer der beliebtesten Operetten des Genres. Im Stadttheater Baden singt Hausherr Sebastian Reinthaller in der Regie von Alexander Kuchinka den Prinzen Sou Chong, Monika Rebholz gibt die Lisa. Die Produktion läuft bis 28.November.

Gedenken an Friedrich Gulda

Doch weil die kunstversessenen Badenerinnen und Badenern damit lange noch nicht genug haben, gibt es am selben Tag und zu selben Zeit und nur hundert Meter voneinander entfernt (das nennt man in der Kurstadt Planung!) im Casino ein Konzert der Reihe Tritonus, dem Andenken an den großen Friedrich Gulda gewidmet.

x  |  NOEN, Foto: Archiv


Das Philharmonischen Orchester Györ bringt unter der Leitung von Norbert Pfafflmeyer eine „Hommage à Friedrich Gulda“ – und zwar mit dem „Concerto for myself“ für Orchester und Jazz Piano Trio.

Den Klavier-Solopart übernimmt Roland Batik, einer der renommiertesten Jazzpianisten und Schüler Friedrich Guldas. Am Schlagzeug ist Christian Rabitsch – er war der erste Schlagzeuger in Falcos Band – und am E-Bass Wolfgang Bankl, der vor seiner Opernkarriere Bassist in einer Rockjazz-Band war, zu hören. Weiter steht noch Mozarts  bekanntes „Klavierkonzert Nr.21“ auf dem Programm.

Fesselnde Baritonstimme: Gregory Porter

x  |  NOEN, Foto: Shawn Peters
Bereits am Freitag, 16. Oktober, 19.30 Uhr zieht der Jazz in das Festspielhaus St. Pölten ein, in Gestalt von Gregory Porter und seiner Band. Seit Langem hat kein Jazzsänger mehr einen so glänzenden Karrierestart hingelegt wie dieser Mister Porter. Mit seinem erstem Soloalbum „Water" profilierte er sich 2010 als einer der besten Jazzsänger unserer Tage.

Auf seinem dritten Album „Liquid Spirit" beweist er einmal mehr das Talent, Songs zu schreiben, die die Menschen unmittelbar berühren. Jazzdiva Dee Dee Bridgewater pries ihren Kollegen mit den Worten „Einen Sänger wie ihn haben wir schon lange nicht mehr gehabt."

„Frühere Verhältnisse“ in der Studionbühne

Einen Besuch wohl wert sind die einstweilen letzten Aufführungen von Johann Nestroys Posse „Frühere Verhältnisse“ in der Studionbühne des tww (Theater westliches Weinviertel) in Guntersdorf – Freitag, 16. Oktober und Samstag, 17. Oktober, jeweils 20 Uhr. Der Inhalt: Der wohlhabende Holzhändler Scheitermann hat eine junge, hübsche Professorstochter geheiratet.

Trotzdem ist er nicht glücklich über sein Schicksal. Erstens fühlt er sich seiner verwöhnten Frau unterlegen, weil sie - im Gegensatz zu ihm - aus einem so genannten „guten Haus“ stammt. Zweitens glaubt er sich genötigt, ihr seine Vergangenheit verheimlichen zu müssen. Er war nämlich in seinem früheren Leben schlichter Angestellter. Josefine, seine Ehefrau hegt indessen den leisen Verdacht, dass ihr einige Jahre älterer Gemahl nicht nur ein wenig dumm sein, sondern möglicherweise auch eine kriminelle Vergangenheit haben könnte.

Auch Peppi Amsel blickt auf eine „dramatische“ Vergangenheit zurück. Sie war bei Josefines Vater als Köchin angestellt, bevor sie zum Theater ging, um an ambulanten Bühnen Karriere zu machen. Allerdings blieben die ganz großen Erfolge und vor allem die überlebensnotwendigen Gagen aus, sodass Peppi beschließt, wieder in die Dienste ihrer früheren Arbeitgeber zurückzukehren. Als dann auch noch der mittlerweile völlig verarmte, ehemalige Chef Scheitermanns, der frühere Unternehmer Muffl zufälligerweise im Hause des reichen Holzhändlers um Arbeit anfragt, kommt es zu wilden Verwirrungen und Verwicklungen, bis sich alle zu ihren „früheren Verhältnissen“ bekennen müssen.

Regisseur Peter W. Hochegger sagt über die Produktion: „Das Stück beschreibt vor dem Hintergrund wirtschaftlich und gesellschaftlich labil gewordener Zeiten und Zustände die Unberechenbarkeit des Schicksals, das scheinbar beliebig über den sozialen Auf- oder Abstieg des Einzelnen bestimmt. In gewohnt sarkastischer Weise nimmt Johann Nestroy die neureichen Emporkömmlinge, den Standesdünkel des Establishments und das ewige Gesellschaftsspiel von Vortäuschen und Vertuschen aufs Korn. Diese Komödie ist aber nicht nur eine sozialkritische Satire, sondern auch eine Abrechnung mit dem kommerzialisierten Theaterbetrieb und dem Kulturverständnis seiner Zeit. Sie ist jedenfalls immer noch – oder wieder - höchst aktuell und brisant. Ich habe mir allerdings erlaubt, einige Textpassagen hinzuzufügen, um das Stück noch deutlicher in unsre heutige Zeit zu verlegen.“

Neues Buch über Anton Sartory


 
x  |  NOEN, Kral Verlag
Noch ein Buchtipp: Während des Franzosenkrieges kam es 1805 zu einem verhängnisvollen Eklat mit einem französischen Offizier und seinen Soldaten, die in Pottenstein stationiert waren und die durch exzessive Plünderungen auffielen. In der Folge sollte ein Exempel statuiert werden und Freiwillige mussten sich zur Erschießung melden.

Dies waren der Pottensteiner Pfarrer Michael Vogl und eben Anton Sartory. Der Pfarrer konnte sich allerdings besser verteidigen und nur Sartory wurde zum Tode verurteilt. Genau 375 Meter vom Hirtenberger Friedhof entfernt wurde er am 22. November 1805 erschossen. Das Todesurteil von damals für den „Andreas Hofer von St. Veit“, der sich für die Triestingtaler opferte, wurde von Heimatforscher Johann Marschall nach jahrelangen Recherchen im Denkbuch der St. Veiter Pfarre aufgefunden und das Ergebnis seiner
umfangreichen Forschungen wird nun in diesem Buch präsentiert.

„Anton Sartory. Ein Patriot aus dem Triestingtal. Eine Spurensuche von Johann Marschall“, 120 Seiten,
16,90 Euro, Kral Verlag.