Erstellt am 23. August 2016, 06:44

von Michaela Fleck-Regenfelder

Geburtstag im Park. Beethoven & Shakespeare zum Start der zehnten Festivalsaison.

Monumental: Beethovens „Götterfunken“ in Grafeneggs heuer zehn Jahre jungem Wolkenturm im Schlosspark.  |  NÖN, ORF / Hans Leitner

Feuerwerk gab’s zum Geburtstag keines. Das hat man schon – wie jedes Jahr – nach der Sommernachtsgala im Juni abgeschossen. Sekt und Torte gab es dagegen schon zum zehnten Geburtstag von Niederösterreichs hochkarätigstem Musikfest. Und das gleich auf der Bühne.

Denn „statt offizieller Reden“, so das Programmheft, ließ Regisseur & Perchtoldsdorf-Intendant Michael Sturminger lieber eine „Landeshausfrau“ (herrlich komisch: Schauspielerin Caroline Peters) und einen Weltenwanderer (wunderbar traurig: Opern-Bariton Florian Boesch) anstoßen. Und – frei nach William Shakespeares todessehnsüchtigem 66. Sonett – im Grafenegger Auditorium von Frontex bis Beethoven über den Zustand der Welt im Allgemeinen und das Feiern im Besonderen philosophieren. Geigte und trompetete beschwingt mit: Vorarlbergs fabelhafte Musik-Banda Franui.

Traum, der wahr geworden ist

Wobei: Geredet wurde dann doch noch. Über einen „Traum, der wahr geworden ist“, so Grafenegg-Intendant Rudolf Buchbinder. Über „Kultur, die die Seele zum Klingen bringt“, so Landeshauptmann Erwin Pröll. Und über Kultur „als Wegweiser für die Zukunft“, in der man auch in Grafenegg noch viel vorhat (einen Campus für alle Musikfelder etwa oder die Verankerung von Europas Jugendorchester als fixem Klangkörper am Sommerprogramm).

Grafeneggs Residenzorchester, dem Tonkünstlerorchester NÖ unter seinem – zwei Stunden vorher bis 2021 verlängerten – Chefdirigenten Yutaka Sado gehörte dann die Bühne im auch nach zehn Jahren noch spektakulären Wolkenturm.
Dort lagen erst ganz neue Töne auf den Pulten. Von Christian Jost und eigens für Grafenegg 2016 komponiert. Und zwar eine fast schon jazzige Fanfare für neun Blechbläser. Und eine abgrundtief traurige Orchestermusik, inmitten derer Beethovens „An die Hoffnung“ mit Wagner-Tenor Klaus Florian Vogt wie ein Sternenfunken in den Abendhimmel strahlte.

Beethovens legendäre Neunte Sinfonie klang danach so packend, so wild und auch so visionär wie schon bei ihrer Premiere vor 192 Jahren. Was vor allem am riesig besetzten und von Musikerinnen des European Union Youth Orchestra verstärkten Orchester, am eindrucksvollen Singverein und am prominenten Solistenquartett lag. Ein „Götterfunken“ für ein einmaliges Geburtstagskind!