Erstellt am 20. August 2016, 10:11

von APA Red

Musikfestival startete mit zwei Uraufführungen. Intendant Rudolf Buchbinder eröffnete am Freitagabend das Musikfestival Grafenegg als "einen Ort, der die Sinne öffnet".

 |  NOEN, Erich Marschik

"Ein Ort, der die Sinne öffnet": So charakterisiert Intendant Rudolf Buchbinder den Schauplatz des Musikfestivals Grafenegg, dessen zehnte Saison am Freitagabend eröffnet worden ist - mit einem schrägen Festakt im Auditorium und einem von Beethoven und zwei Uraufführungen geprägten Open-Air-Konzert im Wolkenturm.

Laut Programmheft hätte Regisseur Michael Sturminger "an Stelle eines Festaktes mit offiziellen Reden zum 10. Jubiläum des Festivals" eine unkonventionelle "szenisch-musikalische Bestandsaufnahme zum gefühlten Zustand unserer Welt" inszenieren sollen.

Dies war auch der Fall: Caroline Peters als kabarettreife "Landeshausfrau" und Bariton Florian Boesch, der für luxuriösen Weltschmerz sorgte (u.a. mit Mahlers "Ich bin der Welt abhanden gekommen") sowie die famose Banda Franui bürsteten aktuelle Befindlichkeiten gegen den Strich und sorgten auch für düstere Zwischentöne, ganz nach dem Motto "Feiern in Zeiten der Überforderung". Doch ohne übliche Ansprachen ging's dann doch nicht vonstatten, auch wenn die ursprüngliche Intention damit sichtlich konterkariert wurde.

Eine schmissige, handwerklich sehr gekonnt am rhythmischen Puls der Zeit gefertigte Bläserfanfare von Christian Jost, diesjähriger Composer in Residence, stand dann am Beginn des Konzertabends. Das Tonkünstler-Orchester NÖ unter der Leitung des Chefdirigenten Yutaka Sado, der unmittelbar vorher seine Vertragsverlängerung bis 2022 unterschrieben hatte, setzte mit Beethovens Coriolan-Ouvertüre fort.

Anschließend gelangte ein weiteres Auftragswerk Josts zur Uraufführung. "An die Hoffnung" für Singstimme und Orchester nach dem gleichnamigen Lied von Beethoven ist im Grunde eine zutiefst erschütternde Komposition: Während der Arbeit an dem Werk ist Josts Ehefrau, die Sopranistin Stella Doufexis, 47-jährig verstorben, ihr ist das Opus gewidmet. Ostinate Minimal-Muster und unruhige Cluster bilden eine vorwärtstreibende wilde Jagd, die in Beethovens Originalmelodie mündet und in einem "transzendierenden Adagio" (Jost) ausklingt.

Als gut disponierter Solist fungierte Tenor Klaus Florian Vogt, der auch in der abschließenden Beethoven'schen Neunten neben Camilla Nylund (Sopran), Elena Zhidkova (Mezzosopran) und René Pape (Bass) mitwirkte. Die Tonkünstler - verstärkt durch Mitglieder des European Union Youth Orchestra - und der Wiener Singverein sorgten für eine ordentliche, gut strukturierte, aber wenig spannende Wiedergabe. Viel Beifall zu vorgerückter Stunde.

(S E R V I C E - Musikfestival Grafenegg, bis 11. September, Tel. 02735/5500, www.grafenegg.com)