Erstellt am 30. September 2015, 13:32

von Thomas Jorda

Große Frauen kämpften in der Zeit für die Emanzipation. Vergessene Geschichte. Der Wiener Kongress war auch die Zeit bedeutender jüdischer Frauen, die aber rasch aus der kollektiven Erinnerung getilgt wurden und mühsam wiederentdeckt werden müssen.

Fanny von Arnstein, Lithografie von Louis Pereira.  |  NOEN, Foto: Archiv

Vergessene Geschichte.

Der Wiener Kongress war auch die Zeit bedeutender jüdischer Frauen, die aber rasch aus der kollektiven Erinnerung getilgt wurden und mühsam wiederentdeckt werden müssen. Da ist zum Beispiel Fanny von Arnstein (1758 - 1818), die durch ihre Heirat mit dem Bankier Nathan Adam von Arnstein nach Wien kam. Dorthin brachte sie die Berliner Institution der literarischen Salons.

Das Palais Arnstein in Wien und ihre Häuser in Schönbrunn und Baden bei Wien waren berühmt für diese gastfreundlichen Runden. Während des Wiener Kongresses traf sich die Prominenz der Zeit, der Sieger von Waterloo, der Herzog von Wellington ebenso wie Frankreichs Premierminister Talleyrand-Périgord oder der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy.

Der erste Christbaum.

Fanny von Arnstein war auch Mitbegründerin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Und sie führte einen in Wien unbekannten Berliner Brauch ein: Am Heiligenabend 1814 brannten die Kerzen des ersten Christbaums hierzulande. Die Ehre, die Erste gewesen zu sein, gönnte man der Jüdin und großen Kämpferin für die Emanzipation der Frau nie.

Lange Zeit wurde es Henriette von Nassau angedichtet, im Schloss Weilburg in Baden den ersten Christbaum im Land aufgestellt zu haben. Der Hass auf die Arnstein war so groß, dass ihre Gebeine auf dem jüdischen Friedhof in Wien-Währing von den Nazis ausgegraben und ins Naturhistorische Museum gebracht wurden. Dort verliert sich deren Spur.

Noch eine Kämpferin.

Eine mindestens ebenso große Kämpferin für die jüdische Emanzipation und die Emanzipation der Frauen war Rahel Varnhagen von Ense (1771 – 1833). Die Schriftstellerin führte ebenfalls einen bedeutenden literarischen Salon. Während des Wiener Kongresses, wohin ihr um vierzehn Jahre jüngerer Gatte Karl August, den sie 1814 geheiratet hatte, im Jahr 1815 als preußischer Gesandter geschickt worden war, verbrachte sie als Gast der Arnsteins eine unbeschwerte Zeit in Baden bei Wien.

Varnhagen nahm wenig Anteil am Literaturbetrieb, da ihr das als Frau und Jüdin zu jener Zeit nur schwer möglich war. Sie schrieb vor allem Tagebücher, Aphorismen und Briefe, von denen 6.000 bekannt sind.