Erstellt am 05. Juli 2016, 02:38

„Ein großer Künstler“. Gottfried Gusenbauer, Direktor des Karikaturmuseums Krems, im Gespräch mit Thomas Jorda über den Tod von Manfred Deix.

Gottfried Gusenbauer  |  Lukas Beck

NÖN: Wo reihen Sie Manfred Deix in der heimischen Kunstgeschichte ein?
Gusenbauer: Manfred Deix zählt zu den großen Künstlern und Volkskünstlern Österreichs. Mit seinen schonungslosen Darstellungen hat er stark polarisiert und wurde dafür gehasst, aber auch verehrt. Mit seinen gesellschaftskritischen Cartoons – die ich auch als kleine Geschichten verstehe – steht er inhaltlich in direkter Verbindung mit Karl Kraus, Helmut Qualtinger oder Thomas Bernhard. Die zeichnerische Ausführung musste aber immer lustig sein, ex-tremer Humor war für ihn Stilmittel.

Was unterscheidet Karikatur von Kunst?
Karikatur ist eine unterschätzte Kunst. Sie ist schwierig einzuordnen, weil es journalistisches Gespür braucht, literarisches Können und großes zeichnerisches Talent. Glücklicherweise wurden in den vergangenen Jahren Karikatur und Comic verstärkt in den internationalen Kunstkanon aufgenommen. Heute stehen
sie gleichwertig neben den anderen klassischen Kunstrichtungen.

Sie kannten Manfred Deix sehr persönlich. Wie charakterisieren Sie ihn als Mensch?
Deix war ein großes Kind. Er wollte die Leute erschrecken, sekkieren und provozieren – und trotzdem immer
geliebt werden.

Gibt es ein zentrales Werk von Deix?
Ja, die „Sieben Todsünden“ mit all ihren menschlichen Unzulänglichkeiten. Viele seiner Arbeiten drehen sich um diese Themen. Deix wurde oft missverstanden, vor allem wenn er sich kirchenkritischen Themen angenommen hat. Aber er sah sich immer als Kritiker der Kirche und nie als Religionsgegner.

Hat Manfred Deix mit seiner Arbeit Österreich verändert?
Ich denke schon. Obwohl Deix selbst immer behauptet hat, dass ein Satiriker niemals etwas bewirkt. Der ehemalige Bundeskanzler Bruno Kreisky hat einmal die Bilder gelobt – „weil Deix die Leute so hässlich macht, dass viele von ihnen sich mit ihrer Hässlichkeit versöhnen“. So gesehen sind die Deix-Figuren ein positiver Beitrag für ein zufriedenes Österreich.