Erstellt am 05. Januar 2016, 05:48

von Thomas Jorda

Habsburgs beste Stücke. Niederösterreich hat für sein Haus der Geschichte tief in die Tasche gegriffen und die Kaiserhaussammlung des Wiener Rindfleischkönigs Plachutta erworben.

Er steht im Mittelpunkt der Kaiserhaussammlung, Langzeitherrscher Franz Jospeh. Aber nicht nur als alter Herr, wie er oft dargestellt wird, sondern auch als junger Imperator voll Saft und Kraft, wie ihn zum Beispiel Eduard Klieber (1803-1879) im Jahr 1851 gemalt hat, in Feldmarschallsuniform und mit Ordensschmuck.  |  NOEN, Dorotheum
Im Zivilberuf versorgt die Familie Plachutta in Wien ausgesuchte Gäste mit bestem Rindfleisch. Daneben pflegt Juniorchef Mario Plachutta seit dem Jahr 2006 eine durchaus kostspielige Leidenschaft – er sammelt Erinnerungsstücke an das österreichische Kaiserhaus, hat inzwischen 2.000 Exponate zusammengetragen und damit die weltweit größte private Habsburg-Sammlung geschaffen.

Die gehört jetzt dem Land Niederösterreich, das dafür und für zwei weitere Sammlungen 3,1 Millionen Euro ausgegeben hat. Die beiden anderen sind die Sammlung Hackl, in denen sich die Waldviertler Textilindustrie zwischen 1760 und 1916 geschlossen dokumentiert findet. Dazu noch die Sammlung Bieder mit ihren über 1.700 sehr gut erhaltenen Plakaten, welche die regionale Entwicklung von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in das 20. Jahrhundert widerspiegelt.

Schließlich kam das Land kürzlich durch Schenkung zur Sammlung des Mährisch-Schlesischen Heimatmuseums, das in Klosterneuburg nach 97 Jahren seine Pforten schließen musste.
Die Sammlungen können in ihrem ideellen Wert kaum verglichen werden, dennoch ist Plachuttas Kaiserhaussammlung natürlich besonders spannend.

Darunter ist nämlich Wertvolles, Einzigartiges und Originelles. Unter den Kuriosa finden sich zum Beispiel Bestellscheine der Kaiserin Elisabeth für kosmetische Artikel aus dem April 1875 oder jener cremefarbene Spitzenfächer, den Erzherzogin Marie Valerie ihrer Mutter, der Kaiserin, zu deren 47. Geburtstag gebastelt hat. Nicht zu vergessen die Barthaare von Kaiser Franz Joseph mit dem Bestätigungsschreiben des Leibkammerdieners Eugen Ketterl.

Besonders wertvoll sind nicht nur die hochwertigen Gemälde der Mitglieder des Erzhauses, sondern etwa auch jenes einzigartige Tee und Kaffeeservice, das auf allen Teilen einen plastischen kaiserlich-goldenen Doppeladler trägt. Dazu kommt noch ein Behälter der ungarischen Krönungserde aus dem Jahr 1867, der Rosenkranz der sterbenden Kaiserin Elisabeth, das Picnic-Set von Kronprinz Rudolf, das Feldschreibzeug von Franz Joseph und noch vieles mehr, das in ausgewählten Teilen in St. Pölten zu bewundern sein wird. Wie Landeshauptmann Erwin Pröll zum Erwerb aller drei Sammlungen betont: „Das Land erfüllt damit seinen Auftrag, das kulturelle Erbe Niederösterreichs zu bewahren, die Geschichte des Landes zu dokumentieren und sie ab 2017 im Haus der Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“