Erstellt am 21. Oktober 2015, 06:27

von Thomas Jorda

Der Wille zu bewegen. Hugo Portisch, Österreichs beliebtester Journalist, hat sein Leben beschrieben. Und stellt fest: "Aufregend war es immer".

Hugo Portisch präsentiert seine Autobiografie.  |  NOEN, APA/Neubauer

Seine Bücher und Fernsehserien sind breit aufgestellt. Zeitgeschichte ist sein Hauptkampfgebiet und sogar über Pilzkunde hat er veröffentlicht. Doch ein Thema hat Österreichs beliebtester Journalist – der jede Bundespräsidentenwahl haushoch gewinnen würde – immer strikt gemieden: das eigene Leben.

Zwölf Jahre hat es gedauert, bis er überzeugt wurde, eine Autobiografie zu schreiben, erzählt Portisch bei der Präsentation des in jeder Hinsicht gewichtigen Werkes. Es sei ihm immer darum gegangen, nicht nur zu berichten, sondern auch etwas zu bewegen, „den Menschen zu helfen, die Dinge, die im Land und in der Welt vor sich gehen, zu verstehen“. Und er habe eingesehen, dass seine Erinnerungen dabei wichtig wären.

Schließlich war er mehrfach persönlich im Zentrum der Zeitgeschichte gestanden. So in den Sechzigerjahren, als er mithilfe des Rundfunkvolksbegehrens die Unabhängigkeit des ORF rettete. Einer seiner ORF-Kommentare brachte Franz Vranitzky im Juli 1991 zu der berühmten Rede über die Mitschuld Österreichs am Zweiten Weltkrieg.

"Wollte journalistische Freiheit nicht aufgeben"

Das Angebot Vranitzkys, ihn als Nachfolger von Bundespräsident Kurt Waldheim zu nominieren, lehnte Portisch ab, auch die Minister-Angebote von Josef Klaus und Bruno Kreisky. „Ich wollte die journalistische Freiheit nicht aufgeben.“

Hugo Portisch (1927 in Pressburg geboren) verbrachte einige Jahre in St. Pölten, wo sein Vater als Chefredakteur jene Zeitungen des Pressvereins aufbaute, die 1965 in die NÖ Nachrichten umgewandelt wurden. Diese Zeit wird in der penibel recherchierten Autobiografie natürlich ebenfalls beschrieben. Das Buch bereut Portisch jedenfalls nicht: „Mein Privatleben kann jeder kennen. Da gibt’s nichts zu verstecken. Und Schlüssellochblicke biete ich sowieso nicht.“

Hugo Portisch, „Aufregend war es immer“, 432 Seiten, 24,95 Euro, Benevento Ecowin Verlag.