Erstellt am 18. Oktober 2016, 08:42

von Michaela Fleck-Regenfelder

Nachgefragt bei Agnes Heginger.

Agnes Heginger, Sängerin, Dozentin & gebürtige Klagenfurterin, sprach mit Michaela Fleck über Schätze, Schokolade & Politik.  |  Maria Frodl

NÖN: Diesen Donnerstag singen Sie im Festspielhaus St. Pölten. Was gibt’s da zu hören?
Agnes Heginger: Friedrich Cerha, einen der ganz Großen – zu dem ich eher zufällig gekommen bin. Die Künstlerin Marianne Maderna wollte unbedingt, dass ich ein paar seiner Chansons bei ihrer Finissage singe. Und daraus ist dann eine CD geworden.

Der Titel, „Eine Art Chansons“, klingt ja eher französisch als österreichisch. Und die Texte eher nach Wortspiel als nach Klangkunst.
Heginger: Ein Chanson muss ja nicht unbedingt französisch sein. Die Texte sind zum Teil von guten Freunden von ihm, Jandl, Rühm, Achleitner. Und daraus hat Friedrich Cerha ganz kleine Kunstwerke gemacht, lauter Statements, bei denen der Text auch im Vordergrund steht.

Geschrieben sind die Chansons für einen „Chansonnier“. Und für ein klassisches Jazztrio. Macht es das schwieriger?
Heginger: Nein, kein klassisches Trio, sondern da sind ein Konzertflügel, ein Bass und klassisches Schlagwerk dabei, also: große Trommel, Becken, Kongas, Glockenspiel … Das ist ganz groß! Wir spielen aber nur 55 von den insgesamt 77 Chansons. Das ist schon starker Tobak. Aber es ist wirklich unterhaltend! Und mir liegt das. Mich hat das auch enorm gereizt, wenn man plötzlich in einer Höhle steht und da all diese Schätze sind …

Sie haben schon mit Paul Gulda und Roland Neuwirth gesungen und mit Karlheinz Essl, Georg Breinschmid oder Krzysztof Dobrek musiziert. Was haben die mit Friedrich Cerha gemeinsam? Die Lust auf Neues?
Heginger: Unbedingt! Für mich ist das so wie hochprozentige Schokolade … [lacht]!

Das Neue wird in herkömmlichen Konzertprogrammen noch immer gerne zwischen dem Klassischen versteckt. Woran liegt das?
Heginger: Ja, das ist so. Und ich fürchte, dass es nicht besser wird. Aber ich kann davon leben, und das ist eh ein Luxus!

Was wollen Sie noch verwirklichen?
Heginger: Ich hab’ vor vielen Jahren Alte Musik gesungen, das hab’ ich so geliebt. Wenn ich das noch mal machen dürfte, wäre ich sehr froh. Und ich würde mich gern als Künstlerin politisch mehr positionieren.

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